Ai Weiwei: Never sorry

Ai Weiwei: Never sorry

USA 2011 - mit Ai Weiwei, Ai Dan, Ai Lao, He Yunchang u.a

Filminfo

Originaltitel:Ai Weiwei: Never sorry
Genre:Dokumentarfilm
Regie:Alison Klayman
Kinostart:14.06.2012
Produktionsland:USA 2011
Laufzeit:ca. 91 Min.
Webseite:www.aiweiwei-neversorry.de
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Er ist der wohl bekannteste chinesische Künstler der Gegenwart. Doch für das Regime seiner Heimat ist er auch eine der unangenehmsten Persönlichkeiten. Denn der Konzeptkünstler, Verleger Architekt und erfolgreiche Blogger Ai Weiwei ist ein gnadenloser Regimekritiker, der seinen Unmut gegen die Regierung und gegen die Zustände in seinem land immer wieder offen Luft macht. Die Filmemacherin Alison Klayman hat den Aktivisten drei Jahre lang mit der Kamera begleitet und hat aus ihren Aufnahmen, aus Gesprächen mit langjährigen Wegbegleitern, anderen Künstlern und Ai Weiweis Mutter ein äußerst intimes Porträt eines großen Künstlers und einer starken Persönlichkeit geschaffen.

"Ai Weiwei: Never sorry" begleitet den Künstler dabei, wie er versucht, die Namen der anonymen Opfer eines großen Erdbebens in der Region Sichuan zusammen zu tragen, wodurch er immer stärker unter Beobachtung der Regierung gerät. Das Ganze gipfelt in einem Übergriff in einem Hotel durch Sicherheitsbeamte, bei dem Ai Weiwei schwer am Kopf verletzt wird. Während der Vorbereitungen für eine große Einzelausstellung im Haus der Kunst in München muss sich der Künstler als Folge dieser Verletzung einer Notoperation unterziehen. Zum Schweigen bringt das Ai Weiwei freilich nicht. Immer wieder macht er in seinem Blog, durch seine Kunstwerke und Fotos auf Missstände in seinem Land aufmerksam. Neben der zunehmenden Beobachtung durch die Polizei werden die Versuche, den Freiheitskämpfer mundtot zu machen, immer drastischer. Sein Blog wird verboten, er muss sein Studio in Shanghai abreißen lassen und wird dann sogar wegen angeblicher Steuerhinterziehung ins Gefängnis gesteckt. Nach drei Monaten Haft und weltweitem Protest steht Ai Weiwei seit Juni 2011 nun unter politischem Hausarrest. Doch er denkt gar nicht daran, seinen Kampf aufzugeben. Er provoziert weiter, wo und wann immer er kann.

Sicherlich, es könnte Alison Klayman nun vorgeworfen werden, dass ihr eine gewisse journalistische Distanz fehlt, dass sie ein eher einseitig orientiertes Porträt geschaffen hat, dass den Helden Ai Weiwei feiert und das chinesische Regime in allen Facetten verurteilt. Doch auch wenn eine distanziertere Auseinandersetzung mit der Thematik an manchen Stellen vielleicht wünschenswert gewesen wäre, so ist es doch gerade die extreme Nähe zum Subjekt, die diese Dokumentation so spannend, unterhaltsam und sehenswert macht. Ai Weiwei ist eine unheimlich einnehmende Persönlichkeit, ein mutiger Mann und extrem kluger Kopf, der seine Gedanken zwar besonnen und mit erstaunlich viel Witz und Ironie offenlegt, seinen Kampf gegen das Regime aber mit ungeheurer Willenskraft und Intensität führt. Dass er sich von den zahlreichen Rückschlägen und Einschüchterungsversuchen nicht von seinem Widerstand abbringen lässt, macht ihn zu so einer wichtigen Persönlichkeit, über die dann eben auch berichtet werden darf, ohne die an sich wichtige journalistische Distanz wahren zu müssen.

Ob als Porträt des Künstlers, als Einblick in sein Privatleben oder als Dokument über einen beeindruckenden Widerstandskampf, "Ai Weiwei: Never sorry" ist eine großartige Dokumentation, die trotz ihrer nicht unbedingt leichten Thematik einige sehr amüsante und unterhaltsame Momente zu bieten hat. Für Liebhaber anspruchsvoller Dokumentarfilme und fesselnder Porträts wichtiger Persönlichkeiten des 21. Jahrhunderts ist dieses Werk daher: unbedingt sehenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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Kino Trailer zum Film "Ai Weiwei: Never sorry (USA 2011)"
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