Deutschland von Oben (Deutschland 2012)
mit Benjamin Völz als Erzähler u.a
Details
| Genre: | Dokumentarfilm |
| Regie: | Freddie Röckenhaus und Petra Höfer |
| Kinostart: | 07.06.2012 |
| Produktionsland: | Deutschland 2012 |
| Laufzeit: | ca. 110 Min. |
| FSK: | ab 0 Jahren |
Ob große Städte oder weite Flächen von Weideland, ob hohe Berge oder das faszinierende Wattenmeer, ob Industrie oder nahezu unberührte Natur, ob Autobahnen oder auf normalem Weg nahezu unzugängliche Orte – all das und noch viel mehr hat Deutschland zu bieten. Das Land verfügt über eine unglaublich vielfältige Natur und eine faszinierende Infrastruktur. Deutschland von einer ganz besonders sehenswerten Seite zu zeigen, das haben Petra Höfer und Freddie Röckenhaus bereits in der erfolgreichen Terra X Reihe "Deutschland von Oben" bewerkstelligt und haben damit ein Millionenpublikum begeistert. Dieser Erfolg soll nun in der gleichnamigen Kinoversion wiederholt werden.
Mit einer Cineflex-Helikopter-Kamera wurden faszinierende Luftaufnahmen eingefangen, die den Zuschauer in beinahe zwei Stunden auf eine Reise durch ein Jahr in Deutschland mitnehmen. Vom verschneiten Gipfel des Watzmann über die Skyline von Frankfurt bis hin zu den Dünen von Helgoland, vom Bodensee über die Stahlwerkebei Duisburg bis nach Sylt, die Bilder, die der Zuschauer hier zu sehen bekommt, fangen die schönen Seiten Deutschlands sehr gut ein und entfalten auch erst auf der Leinwand ihr gesamtes Potential. Es gibt dabei einige ganz besonders faszinierende Momente, die richtig viel Lust darauf machen, die verschiedensten Ecken von Deutschland einmal besuchen zu wollen.
Das Alles klingt nun nach einer großartigen Naturdokumentation. Das mag in Teilen auch stimmen. Doch der Film hat mit einigen großen Problemen zu kämpfen, die den positiven Gesamteindruck deutlich schmälern. Am negativsten wirkt ohne Frage der begleitende Kommentar, gesprochen von Benjamin Völz. Völz, der seine Stimme schon Stars wie Keanu Reeves oder David Duchovny geliehen hat, ist ein sehr angenehmer Sprecher. Doch die Worte, die ihm hier in den Mund gelegt wurden, sind mitunter einfach nur schrecklich und triefen vor Pathos, der dann noch durch die bombastische Filmmusik auf recht unangenehme Art verstärkt wird. Die ähnlich aufgebaute Dokumentation "Die Nordsee von Oben", bei der die Bilder mit viel Ironie und Charme kommentiert worden sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie auch "Deutschland von Oben" durch den Kommentar noch hätte an Unterhaltungswert hätte gewinnen können. So aber wäre weniger auf jeden Fall sehr viel mehr gewesen.
Das zweite Problem ist, dass etliche Aufnahmen wie unnötiges Füllmaterial anmuten. Es ist sicherlich interessant, anhand von Animationen die Flugbahn von Zugvögeln aufzuzeigen. Doch irgendwann verlieren solche Zusatzinformationen einfach ihren Reiz. Man möchte als Zuschauer lieber mehr von dem Land an sich sehen und nicht, wie in unzähligen Naturdokumentationen davor, Vögel oder Steinböcke in aller Ausführlichkeit beobachten. Zugegeben, Szenen wie die, in der ein Basejumper von einem Frankfurter Wolkenkratzer springt und dann über durch die Hochhausschluchten bis in die Taunusanlage fliegt, entschädigen teilweise für einige der Längen. Doch der Eindruck, dass der Film von einer kürzeren Laufzeit profitiert hätte, bleibt am Ende trotzdem.
"Deutschland von Oben" hat einige ganz wunderbare Momente zu bieten. Die Arbeit der Filmemacher, Helikopterpiloten und Techniker muss auf jeden Fall als großartig gewürdigt werden. Dennoch wurde die Möglichkeit, den Zuschauern etwas ganz Besonderes zu bieten, durch zu viel Pathos und vor allem durch zu viel "gewöhnliches" Füllmaterial verschenkt. Hätte sich die Doku auf die faszinierenden Luftaufnahmen beschränkt und einen etwas weniger aufdringlichen Kommentar und zurückhaltendere Musik als Untermalung gewählt, so wäre der Film ein Muss für Alle gewesen, die schon die TV-Vorlage gemocht haben. So aber kann das Ganze Liebhabern von Naturdokumentationen nur bedingt ans Herz gelegt werden.
von Sebastian Betzold
Media:
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