Moonrise Kingdom (USA 2012)
mit Bruce Willis, Edward Norton, Bill Murray, Frances McDormand, Jared Gilman, Kara Hayward u.a
Details
| Originaltitel: | Moonrise Kingdom |
| Genre: | Komödie |
| Regie: | Wes Anderson |
| Kinostart: | 24.05.2012 |
| Produktionsland: | USA 2012 |
| Laufzeit: | ca. 97 Min. |
| FSK: | ab 12 Jahren |
Nach seinem Ausflug in die Welt des Trickfilms mit dem Stop-Motion-Abenteuer "Der fantastische Mr. Fox" kehrt Filmemacher Wes Anderson ("The Darjeeling Limited", "Die Tiefseetaucher") mit "Moonrise Kingdom" zu seinen Wurzeln zurück und beweist wieder einmal, warum er seit seinem wunderbaren "Rushmore" verdientermaßen das Prädikat "Kult-Regisseur" verpasst bekommen hat.
Andersons neuestes Werk spielt im Jahr 1965 auf einer kleinen Insel vor der Küste Neuenglands. Hier haben zwei Außenseiter beschlossen, ihren bisherigen Leben zu entfliehen: Pfadfinder Sam Shakusky (Jared Gilman) flieht aus der Obhut von Scout Master Ward (Edward Norton) im Camp Ivanhoe, um sich mit seiner heimlichen Liebe Suzy (Kara Hayward), der Tochter des Anwalt-Ehepaars Bishop (Frances Mc Dormand und Bill Murray) an einer abgelegen Bucht der Insel häuslich nieder zu lassen. Doch das Verschwinden der beiden Kinder ruft nicht nur den Sheriff Captain Sharp (Bruce Willis), sondern auch das gesamte Pfadfinderlager und das Jugendamt (Tilda Swinton) auf den Plan. Es beginnt eine Suchaktion, die von Neurosen, Chaos und einem herannahenden Sturm begleitet wird. Doch obwohl Sam und Suzy ihren Verfolgern früher in die Hände fallen, als gedacht, lassen sich die beiden Liebenden so schnell nicht von ihrem Fluchtplan abhalten…
Die Handschrift von Wes Anderson ist in jeder Sekunde von "Moonrise Kingdom" deutlich zu spüren. Die Mischung aus schrullig-liebenswerten Charakteren, skurrilem Humor, absoluter Detailverliebtheit und einem daraus resultierenden großartigen Zusammenspiel aus Kostümen und Ausstattung verleihen den Filmen von Anderson stets eine ganz eigene Sprache. Doch hatte man gerade bei "Die Tiefseetaucher" und mit Einschränkungen auch bei "Darjeeling Limited" ab und an das Gefühl, dass sich die Geschichte zu sehr auf die Skurrilität der Inszenierung verlassen hatten, so steht bei "Moonrise Kingdom" wieder mehr die Geschichte selbst im Vordergrund. Und die ist derart angefüllt von Charme und Originalität, dass es äußerst schwer fällt, diesen Film nicht zu mögen.
Zugegeben, Andersons Humor ist mitunter schon etwas speziell. Wer eher vom Mainstream geprägte Gags erwartet, wird sich mit dem Stil des Ausnahmeregisseurs nur schwer anfreunden können. Andersons Witz ist nicht immer besonders offensichtlich, spielt sich bisweilen eher im Hintergrund ab oder ist das Resultat mehrerer zusammenspielender Elemente, das sich nur ganz aufmerksamen Zuscheuern erschließt. Und wenn es dann doch einmal weniger subtil zur Sache geht, dann ist der Humor in der Regel ruhig und in jedem Maße außergewöhnlich. Wer das mag, der wird bei "Moonrise Kingdom" mehrfach lauthals lachen können, strotz der Film doch geradezu vor wunderbar schrägen Momenten. Wer damit wenig anfangen kann, wird dagegen wohl nur ungläubig den Kopf schütteln.
"Moonrise Kingdom" lebt von seinen vornehmlich in Rhode Island gefundenen Drehorten, der großartigen Kameraarbeit und natürlich von dem wunderbaren Darstellerensemble. Hier hat Anderson besonderen Mut bewiesen, der sehr sich absolut ausgezahlt hat. Denn hochkarätigen Schauspielern wie Bill Murray, Edward Norton, Harvey Keitel, Bruce Willis oder auch Frances McDormand zwei völlig unbekannte Jungdarsteller voran zu stellen, hätten sich wohl nur wenige Filmemacher getraut. Doch Anderson hat die beiden gerade einmal 12jährigen Newcomer Jared Gilman und Kara Hayward derart gut durch ihren ersten Filmdreh geleitet, dass ihr Spiel trotz des gewollt artifiziellen Charakters extrem natürlich und unangestrengt.
Im letzten Drittel nehmen die Ereignisse ein wenig überhand und die Inszenierung droht von Andersons eigenem Ideenreichtum erschlagen zu werden. Doch im richtigen Moment tritt der Filmemacher noch auf die Bremse, so dass der vornehmlich positive Gesamteindruck nur marginal getrübt wird. Wer liebevolle, originelle und ganz besondere Arthaus-Komödien im Allgemeinen und die Filme von Wes Anderson im Speziellen mag, der sollte sich diese kleine Perle auf keinen Fall entgehen lassen. Unbedingt sehenswert!
von Sebastian Betzold
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