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Augen für die Kunst- Das neue Städel Societäts Verlag

Augen für die Kunst- Das neue Städel

von: Helen Schiffer

erschienen: Societäts Verlag

am 08.03.2012

www.societaets-verlag.de

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Es ist wohl das Prestigeprojekt schlechthin für die Frankfurter Kulturszene und eines der teuersten und aufwendigsten Unterfangen, dass in den letzten Jahrzehnten am Frankfurter Museumsufer durchgeführt worden ist: der Erweiterungsbau des Städels. Eine unter dem Rasen liegende Halle, in der auf rund 3000qm Platz für die Kunst der Gegenwart geschaffen worden ist. Durch 195 Bullaugen dringt Licht aus dem Garten ins Innere des Anbaues und taucht so die hier ausgestellten Kunstwerke in ein vornehmlich natürliches Licht. Zusammen mit dem Umbau und der Sanierung des Altbaus hat das "neue Städel" rund 52 Millionen Euro verschlungen. Die Hälfte davon wurde aus privater Hand, die andere Hälfte mit öffentlichen Geldern finanziert. Dementsprechend groß war natürlich auch das Interesse an der Eröffnung des Erweiterungsbaus im Februar 2012. Am ersten Wochenende, an dem die Türen des Städels kostenlos geöffnet waren, wollten sich über 18.000 Menschen einen ersten Eindruck von dem neuen Bau machen und nahmen dafür lange Wartezeiten in Kauf.

So sehenswert die fertige Halle unter dem Garten des Museums auch ist, so interessant ist doch auch seine Entstehungsgeschichte, die vom Herbst 2009 bis um Frühjahr 2012 andauerte. Die Fotografin Helen Schiffer hat das Mammutunternehmen im Auftrag der Architekten schneider+schumacher über zwei Jahre lang begleitet und in dem Bildband "Augen für die Kunst – Das neue Städel" dokumentiert. Dabei sind die Bilder allerdings sehr viel mehr, als nur eine reine Bestandsaufnahme der jeweiligen Arbeitsprozesse. Schiffer richtet ihr Augenmerk auf ganz besondere Details oder präsentiert Aufnahmen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, die so manches ihrer Bilder selbst zu kleinen Kunstwerken machen. Gleichzeitig verdeutlichen die Fotos, mit wie viel Finesse das Zusammenspiel aus Architektur der neuen Halle und der zukünftig darin ausgestellten Kunstwerke ausgearbeitet worden ist.

Ob es eher die technischen Aspekte sind, wie etwa das Geflecht der Fußbodenheizung oder diverse Kabelautobahnen, oder Momentaufnahmen von den Arbeiten, bei denen etwa beobachtet werden kann, wie Erde über Schläuche auf die spätere Außenhaut des Anbaus geblasen wird, dem Leser werden die verschiedensten Aspekte der Arbeiten auf ungewöhnliche wie faszinierende und ab und an auch sehr amüsante Art näher gebracht. Ein Beispiel dafür ist sicherlich der ganz besondere Weihnachtsbaum, der 2010 ganz im Zeichen des Erweiterungsbaus im Städel aufgestellt worden ist.

Sehr schön ist, dass die Fotos nach sechs kurzen Einleitungstexten erst einmal für sich stehen und noch nicht einmal durch Bildunterschriften erklärt werden. Der Betrachter kann sie so erst einmal völlig unabgelenkt auf sich wirken lassen. In den genaueren Kontext werden sie erst in einem das Buch abschließenden Bautagebuch gebracht. Hier wird dann nicht nur erläutert, was auf den einzelnen Fotos zu sehen ist, sondern auch, in welcher Phase des Bauabschnitts sie entstanden sind.

"Augen für die Kunst – Das neue Städel" ist ein sehr schöner Bildband, der sowohl als Zeitdokument über diesen für Frankfurt sehr bedeutenden Bau funktioniert, gleichzeitig aber auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie die Entstehung einer Halle für Kunst durch Kunst dargestellt werden kann. Daher kann das Buch nicht nur Allen, die sich für das neue Städel und die Bauarbeiten, sondern auch allen Liebhabern von Fotografie wärmstens ans Herz gelegt werden!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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