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Verblendung (DVD)


Film: Mit über 15 Millionen verkauften Exemplaren gehört die "Millennium-Trilogie" von Stieg Larsson zu den größten literarischen Erfolgen der letzten Jahre. Der erste Teil, "Verblendung", war 2008 sogar das meistverkaufte Buch in der EU. Larsson selbst hat den Erfolg seiner auf zehn Romane angelegten Reihe leider nicht mehr miterleben dürfen. Noch vor der Veröffentlichung der Bücher starb er 2004 mit gerade einmal fünfzig Jahren an einem Herzinfarkt. Eine Verfilmung seiner Romane war deshalb gleich in zweierlei Hinsicht ein schwieriges Unterfangen. Zum einen mussten Millionen von Lesern zufrieden gestellt werden. Und zum anderen mussten die Verfilmungen dem Vermächtnis des Autors absolut gerecht werden. Für "Verblendung" zumindest gilt, dass Beides in nahezu jeder Hinsicht gelungen ist.

Der renommierte Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) steht vor den Trümmern seiner Karriere. Eine Verleumdungsklage hat nicht nur sein Image schwer geschädigt und ihn somit seinen Job gekostet, auch muss er in einigen Wochen eine Haftstrafe antreten. Bevor er ins Gefängnis geht, soll der Journalist aber noch dem schwerreichen Henrik Vagner (Sven-Bertil Taube) dabei helfen, das Verschwinden seiner Nichte Harriet aufzuklären. Seit über 30 Jahren fehlt jede Spur von ihr. Doch jedes Jahr erhält Vagner zu seinem Geburtstag eine gepresste Blume hinter Glas, das gleiche Geschenk, dass er vor ihrem Verschwinden immer von Harriet bekommen hat.

Blomkvist erklärt sich bereit, Vagner zu helfen. Doch schnell gerät er mit seinen Ermittlungen in eine Sackgasse, aus der ihm die eigenwillige Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) heraus hilft. Gemeinsam dringt das unkonventionelle Team immer tiefer in die düstere Geschichte der Industriellenfamilie Vagner ein und kommt dabei der erschreckenden und grausamen Wahrheit immer näher...

"Verblendung" ist ein großartiger Thriller. Bei 152 Minuten Laufzeit, verschiedenen Handlungsebenen und zahlreichen Nebenfiguren hätte das Ganze leicht verwirrend, langatmig und überfrachtet ausfallen können. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Der Film fesselt von der ersten bis zur letzten Minute – ganz gleich, ob die Romanvorlage bereits bekannt ist, oder nicht. Die Figuren sind interessant und vielschichtig gezeichnet und bekommen durch die überzeugenden Schauspieler eine enorme Stärke und Tiefe verliehen, die es dem Zuschauer leicht machen, sich in ihre Geschichte einzufinden. Besonders Noomi Rapace spielt die knallharte Hackerin mit der düsteren Vergangenheit gnadenlos gut. Nach und nach entblößt sie unglaublich viele verschiedene Facetten ihrer Figur, ohne zu verraten, wer (und wie) Lisbeth eigentlich wirklich ist. So ist ihr Charakter einerseits interessant genug, um diesen ersten Film der Trilogie tragen zu können, andererseits verfügt Lisbeth noch über genügend Potential, um auch noch in den nächsten beiden Teilen für einige Überraschungen sorgen zu können.

Michael Nyqvist, Hauptdarsteller des 2004er Überraschungserfolges "Wie im Himmel", stellt den perfekten Gegenpol zu Noomi Rapaces Lisbeth dar. Er spielt den vom Schicksal gebeutelten Enthüllungsjournalisten mit einer beinahe schon stoisch anmutenden Würde, aus der er immer mehr ausbricht, je weiter er in die Geschichte um das Verschwinden von Harriet Vagner eindringt. Ohne übertriebenen Pathos oder theatralischem Gebaren werden diese komplexen Charaktere auf der Leinwand zum Leben erweckt. Zwei großartige Leistungen, die nicht nur Lob, sondern auch viel Respekt verdienen.

Das gilt auch für die packende Inszenierung von Niels Arden Oplev ("Der Traum"), der demnächst seinen ersten Film in Hollywood drehen wird und daher auch nicht mehr für die Teile 2 und 3 zur Verfügung stand. In einnehmenden, düster-kühlen Bildern lässt er die Zuschauer in die dunkle Welt von Stieg Larssons Romanen eintauchen. Dabei legte Oplev sowohl beim Produktionsdesign, als auch bei den verwendeten visuellen Stilmitteln viel Wert darauf, dass selbst Kleinigkeiten aus dem Buch auch im Film wieder zu finden sind. Nur so, so Oplev, und indem er die künstlerische Kontrolle auch im Bereich Besetzung und Final Cut inne hatte, konnte er sicher gehen, dass er mit seinem Film dem populären Buch gerecht werden könne.

Obwohl er sich daher auch immer wieder die Zeit nimmt, auch kleinere Nebenhandlungen zu verfolgen (die freilich für das Gesamtbild und die Entwicklung der Charaktere von großer Bedeutung sind), gibt es in seinem Thriller keinen Moment, der als unnötige Länge bezeichnet werden könnte. "Verblendung" ist ein packender Thriller mit komplexen Figuren, der nicht nur Lust macht, das Buch (noch einmal) zu lesen, sondern auch auf die nächsten beiden Teile, die 2010 ins Kino kommen. Die Zeit bis dahin kann nicht schnell genug vergehen. Daher gilt: für alle, die Steig Larssons Romane verschlungen haben oder generell hochwertige Thrillerkost zu schätzen wissen, ist dieser Film ein absolutes Muss!

Bild + Ton:
Die technische Umsetzung der DVD fängt sehr gut die Atmosphäre des Films ein. Die Farbgebung ist dementsprechend mal sehr warm, dann wieder stark unterkühlt. Das Bild ist insgesamt scharf und sauber, leichtes Bildrauschen fällt hier und da etwas negativ ins Gewicht. Der Ton bleibt über weite Strecken unspektakulär, wobei besonders die Musik und die gut abgemischten Umgebungsgeräusche zur düsteren Stimmung des Films beitragen.

Extras: Leider gibt es nur zwei recht werbelastige Interviews mit den Hauptdarstellern Michael Nyqvist und Noomi Rapace (insgesamt ca. 22 Min.), sowie einen kurzen Teaser zu "Verdammnis". Mehr über die Entstehung des Films erfährt der Zuschauer hier leider nicht.

Fazit: "Verblendung" ist ein großartiger Thriller, der gleichzeitig auch den gelungenen Startschuss für eine überzeugende Trilogie darstellt. Die DVD-Umsetzung ist gelungen, enttäuscht aber durch die kaum vorhandenen Extras. Ob es da zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr geben wird (schließlich existiert von dem Film auch ein etwa 30 Minuten längerer Directors Cut, der zumindest in Holland schon erhältlich ist), ist zwar noch nicht sicher, aber durchaus möglich. Bis dahin ist diese DVD aber dennoch absolut empfehlenswert!

Review von Sebastian Betzold

Originaltitel: Män som hatar kvinnor
Regie: Niels Arden Oplev
Länge: ca. 147 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Anzahl der Discs: 1
Sprache: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Extras: Interviews
Regionalcode: 2


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