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Edvard Munch: Der moderne Blick
Foto: The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012, Neuschnee in der Allee, 1906, Öl auf Leinwand

Edvard Munch: Der moderne Blick (09.02.2012-28.05.2012)

Details

Kategorie:Kunst
Datum:von bis
Ort:
Webseite:www.schirn.de

Die Kunsthalle SCHIRN feiert Jubiläum: 199 Ausstellungen hat das Haus bislang auf die Beine gestellt. Und für die 200. Präsentation musste natürlich etwas ganz Besonderes her. Und so haben sich SCHIRN Direktor Max Hollein und sein Team dafür entschieden, die in Paris mit weit über 400.000 Besuchern enorm erfolgreiche Ausstellung "Edvard Munch: Der moderne Blick" nach Frankfurt zu holen. Zwanzig Jahre, nachdem Munch das letzte Mal im Mittelpunkt einer Ausstellung in der SCHIRN gestanden hat, wird in der neuen Ausstellung keine klassische Retrospektive geboten. Vielmehr wird in zehn verschiedenen Stationen anhand von zahlreichen Gemälden, Fotos, Zeichnungen, Filmausschnitten und auch einer der wenigen Skulpturen, die Munch geschaffen hat, zu zeigen versucht, dass Munch ein moderner Künstler, aber kein Künstler der Moderne war, der immer wieder auch neue Medien wie Foto und Film in seine Arbeit einfließen ließ: 

Edvard Munch war ganz und gar modern – so die These dieser rund 130 Werke umfassenden Schau. „Edvard Munch. Der moderne Blick" stellt das wenig erforschte Spätwerk bis 1944 in den Vordergrund und beweist, dass Munch nicht nur ein Künstler des 19. Jahrhunderts, sondern ebenso des 20. Jahrhunderts war. Im Zentrum wird Munchs Auseinandersetzung mit modernen Aufnahmetechniken wie Fotografie und Film oder der intimen Theaterbühne stehen. Seine Werke lassen erkennen, in welchem Maß er spezifisch fotografische oder filmische Kompositions- und Erzählformen, Posen und selbst Effekte in seine Malerei übernimmt. In Ergänzung zu den rund 60 Gemälden und 20 Arbeiten auf Papier sind zwei Kapitel Munchs eigener fotografischer und filmischer Produktion gewidmet. Gezeigt werden 50 Fotografien in Originalabzügen sowie vier Filme Munchs. Ein weiterer Aspekt der Ausstellung führt vor Augen, wie der Künstler ein und dasselbe Sujet in Zeichnungen, in der Fotografie, der Malerei, der Grafik und sogar der Bildhauerei verarbeitet hat. Die häufige Wiederaufnahme von Motiven ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis von Munchs Werk. 

Wiederholungen 

Edvard Munch kehrte in Kopien, Neubearbeitungen und Variationen oft nach Jahren und selbst Jahrzehnten immer wieder zu bestimmten Themen zurück. Sechs Versionen von Das kranke Kind, sieben von Mädchen auf der Brücke und zehn von Vampir offenbaren die Wiederholung als eine der wesentlichen Konstanten in Munchs Werk. Besonders obsessiv beschäftigte sich Munch mit dem Motiv einer weinenden, nackt vor einem Bett stehenden Frau. Im Zeitraum zwischen 1906 und 1930 schuf er sechs Gemälde sowie mehrere Zeichnungen, eine Fotografie, einen Druck und eine Skulptur zu diesem Thema. In dieser Art der Wiederholung über die ganze Band-breite der Munch zur Verfügung stehenden Medien hinweg zeigt sich nicht nur eine fast manische Besessenheit von diesem Thema. Damit ist Munch auch zweifellos derjenige Künstler seiner Generation, der sich der für die Kunst des 20. Jahrhunderts grundlegenden Frage der Reproduzierbarkeit des Kunstwerks mit dem größten Scharfblick gestellt hat.

 

Die Wiederholung im Werk von Edvard Munch am Beispiel der "Weinenden Frau"

Als Bronzeskulptur von 1906:

 

Als Foto: Rosa Meissner in ihrem Zimmer im Hotel Rhône in Warnemünde, 1907:

  

Als Gemälde von 1907

 

 Als Kohlezeichnung von 1930

  

Alle Bilder: © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2011/2012 

Selbstbildnisse 

Selbstbildnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch Edvard Munchs künstlerisches Werk. Von seinen Anfängen bis zu seinem Tod hat sich der Künstler in mehr als 70 gemalten und 20 grafischen Arbeiten sowie in über 100 Zeichnungen, Aquarellen und Skizzen intensiv mit der eigenen Person auseinandergesetzt und so eine Art visuelle Autobiografie geschaffen. Waren es im 19. Jahrhundert lediglich fünf Selbstbildnisse, stieg ihre Zahl von 1900 bis 1944 auf mehr als 40 – zahlreiche Zeichnungen, Radierungen und Fotografien nicht mitgerechnet. Von diesen schonungslosen Erforschungen des eigenen Ichs, in denen sich Munch oftmals als Leidenden und Ausgestoßenen zeigt, sind einige wichtige Werke in der Ausstellung zu sehen. 

Bild: © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2012

 

Fotografie 

Neben Pierre Bonnard, Édouard Vuillard und Alfons Maria Mucha gehört Edvard Munch einer Künstlergeneration an, die sich zur Jahrhundertwende der Fotografie zuwandte. 1902 erwarb er in Berlin eine kleine Kodak-Kamera und begann damit, neben Aufnahmen von Gemälden und Orten, mit denen er Erinnerungen verband, auch verstärkt Selbstbildnisse zu machen. Lange Belichtungszeiten bewirkten eindrückliche Transparenzeffekte. Doch eher als mit den Malern seiner Generation lässt sich Munch mit den Schriftsteller-Fotografen dieser Epoche vergleichen. Seine Fotoarbeiten offenbaren ebenso wie diejenigen eines August Strindberg oder Émile Zola eine Obsession für das Selbstporträt, einen Willen, das eigene Leben in Bildern darzustellen. In Ekely entstanden ab 1930 weitere fotografische Porträts, für die Munch mit einer heute allgemein praktizierten Geste die Kamera wie einen Spiegel seinem Gesicht zugewandt in der ausgestreckten Hand hielt. 

Der Cineast 

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ging Edvard Munch regelmäßig ins Kino, um sich Wochenschauen und Spielfilme, u. a. von Charlie Chaplin, anzusehen. Auf einer Frankreichreise erwarb der Maler 1927 eine kleine Amateurfilmkamera und begann mit eigenen Studien. Die noch erhaltenen vier, insgesamt fünf Minuten und 27 Sekunden langen Filme zeugen von der Faszination, die das urbane Leben auf Munch ausübte. Die Aufnahmen zeigen Fußgänger, eine vorbeifahrende Straßenbahn, einen Leiterwagen, eine an einer Straßenecke wartende Frau. Munch nahm heimlich seine Tante und seine Schwester auf oder stellte die Kamera in seinem Atelier auf. Munchs Malerei wurde nachhaltig durch Fotografie und Film beeinflusst. Spektakuläre, dynamische Kompositionsweisen wie Menschenmassen in Bewegung, Personen oder Pferde, die direkt auf die Kamera zukommen, wurden durch die illustrierte Presse und das Kino begründet und von Munch begeistert in die Malerei überführt. 

Inszenierung 

Ab den 1890er-Jahren verlieh Munch den von ihm dargestellten Szenen durch die oft frontale Anordnung der Figuren und ihre starre Haltung eine gewisse Theatralik. Unter dem Einfluss August Strindbergs, den er in den 1890er-Jahren in Berlin kennen lernte, und Max Reinhardts, für den er 1906 und 1907 Bühnenskizzen und einen dekorativen Fries schuf, verstärkte sich diese Tendenz. Strindberg und Reinhardt standen für das intime Kammerspiel, eine dramatische Form, bei der die Distanz zwischen Schauspieler und Publikum auf ein Minimum reduziert wird, um das Einfühlen zu fördern. Für sie sollte die Bühne einen Raum andeuten, von dem eine Wand entfernt worden war, um ihn für das Publikum zu öffnen. Genau diese Anordnung übernahm Munch in dem unmittelbar nach seiner Zusammenarbeit mit Reinhardt 1907 in Angriff genommenen Zyklus Das grüne Zimmer, um den Betrachter in den Bildraum hineinzuziehen. 

Sehstörungen 

Im Sommer 1930 stellte sich bei Munch ein durch hohen Blutdruck verursachter Netzhautriss ein, der zu einer Blutung im rechten Auge, seinem „guten" Auge, führte. In den Wochen der Rekonvaleszenz hielt der Künstler die visuellen Eindrücke, wie er sie mit verletzter Netzhaut wahrnahm, systematisch in Bildern fest. „Ein großer dunkler Vogel bewegte sich langsam vor mir", notiert Munch am 2. Juni 1930, „ein Vogel mit dunkelbraunen Federn, von dem eine leuchtend blaue Strahlung ausging, die in Grün umschlug und sich schließlich in einen herrlichen gelben Ring verwandelte." Auf diese Weise entstand eine Reihe farbiger Aquarelle und Zeichnungen vibrierender, leuchtender konzentrischer Kreise. Indem er das, was er wahrnahm, malte, stellte Munch seinen Blick, das Sehen an sich oder, um einen Begriff zu gebrauchen, den Max Ernst zur gleichen Zeit prägte, „das Innere des Blicks" dar. Auch darin zeigt sich Munchs außergewöhnliche Modernität. (Text: SChirn, Einleitung: Sebastian Betzold)

Der Katalog: Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der auf 320 Seiten nicht nur 273 Abbildungen der in der Ausstellung gezeigten Werke zu bieten hat, sondern auch zahlreiche interessante Aufsätze offeriert, die einen tieferen Einblick in die Beziehung der Kunst von Munch zu den verschiedenen Repräsentationstechniken seiner Zeit bietet. Neben Notizen von Munch selbst stammen die Texte u.a. von Clément Cheroux, Angela Lampe, Hugo Perls oder Philippe Lanthony. Ein schön gestaltetes und hochgradig interessantes Buch, das nicht nur als weiterführendes Begleitwerk zur Ausstellung absolut empfehlenswert ist. 

Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag - Sonntag 10–19 Uhr
Mittwoch + Donnerstag 10–22 Uhr
Montags geschlossen 

Zu der Ausstellung wird zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie auf der Homepage der SCHIRN.

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