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Das bessere Leben – DVD

Das bessere Leben – DVD

Deutschland/Frankreich/Polen 2011 - mit Juliette Binoche, Anais Demoustier, Joanna Kulig, Louis-Do de Lencquesaing u.a

Filminfo

Originaltitel:Elles
Genre:Drama
Regie:Malgoska Szumowska
Verkaufsstart:12.10.2012
Produktionsland:Deutschland/Frankreich/Polen 2011
Laufzeit:ca. 96 Min.
FSK:ab 16 Jahren
Anzahl der Disc:1
Sprachen:Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:Englisch, Deutsch
Bildformat:16:9 (2.35:1)
Extras:Interviews, Trailer
Regionalcode:2
Label:Zorro Medien GmbH / good!movies
Webseite:www.goodmovies.de/
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Amazon Link : Das bessere Leben – DVD

Film: Die Pariser Journalistin Anne (Juliette Binoche) hat eigentlich Alles, was man sich für ein zufriedenes Leben wünschen kann. Mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen lebt sie in einer schmucken Wohnung und ihren Job übt sie für ein erfolgreiches Pariser Magazin aus. Und dennoch ist Anne nicht wirklich glücklich. Wie sehr sie gerade ihre Ehe und ihre Stellung innerhalb in der Familie hinterfragen muss, wird ihr allerdings erst klar, als sie bei den Recherchen zu einem Artikel über Studentinnen, die sich ihre Ausbildung mit Prostitution finanzieren müssen, zwei junge Frauen interviewt. Denn statt der zu erwartenden Verzweiflung und Schilderungen von frustrierendem Elend, trifft Anne bei der Polin Alicja (Joanna Kulig) und der Französin Charlotte (Anaїs Demoustier) auf Selbstbewusstsein und Ehrgeiz, mit dem die Studentinnen auch eigentlich extrem erniedrigende Situationen meistern. Durch die ausführlichen, sehr offenen Gespräche erhält Anne einen neuen Blick nicht nur auf die Situation der Mädchen, sondern auch auf ihre eigenen Wünsche für ein besseres Leben... 

"Das bessere Leben" ist auf der einen Seite ein sehr gutes, eindringliches Drama über eine mit ihrem Leben unglückliche Frau aus der wohlhabenden Mittelklasse, die durch die Gespräche mit zwei jungen Prostituierten/Studentinnen ihr eigenes Leben, ihre Träume, Ängste und Sehnsüchte hinterfragt. Trotz vieler intensiver Momente und starken Darstellerinnen hatte ich persönlich ein ganz großes Problem mit dem Film. Dies war nicht, dass ich als Mann das Gefühl hatte, dass die Männer im Film zu negativ dargestellt worden sind. Zugegeben, ich bin der Meinung, dass es sich Regisseurin Malgoska Szumowska ein wenig zu einfach bei der Zeichnung der männlichen Charaktere gemacht hat, dass sie sich dabei zu abgegriffener und einseitiger Klischees bedient hat. Aber auch wenn das ein wenig störend ist, richtig ärgerlich ist das nicht. Viel schlimmer finde ich, dass Szumowska ein sehr wichtiges Thema nimmt, um eine im direkten Vergleich dazu eher uninteressante Geschichte zu erzählen. Denn dass sich junge Studentinnen ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdienen müssen, ist eben nicht das eigentliche Thema des Films, auch wenn die diese Nebenhandlung beschreibenden Szenen natürlich diejenigen Momente sind, über die aufgrund ihres zum Teil schockierenden Inhaltes am ehesten gesprochen wird. 

Was mich daran wirklich stört, ist, dass es zumindest bei oberflächlicher Betrachtung so scheint, dass sich die Regisseurin für die beiden Nebencharaktere nicht wirklich interessiert. Ihr nicht gerade angenehmes Schicksal ist gut genug, um für ein paar schockierende Szenen zu sorgen. Doch wann immer es um die wirklich wichtigen oder interessanten Fragen geht, zieht sich der Film aus dem Leben der beiden Mädchen zurück und beobachtet lieber minutenlang, wie Anne versucht, die Kühlschranktür zu schließen, oder wie sie gedankenverloren in einem Topf herumrührt. Dass damit eben auch Binoche als Darstellerin in den Vordergrund gestellt wird, ist ihren beiden Co-Darstellerinnen gegenüber nicht wirklich gerecht. Denn während Binoche eben in langen Einstellungen gedankenverloren in die Kamera blicken darf oder in einer wiederum viel zu langen Szene hysterisch besoffen herum albert, muss sich Anaїs Demoustier als Charlotte mit einer Flasche vergewaltigen und Joanna Kulig sich als Alicja von einem Freier voll pinkeln lassen. Was genau solche Momente aus den jungen Frauen machen, wird mehr oder weniger verschwiegen. Und genau daher kommt eben auch das Gefühl auf, dass die recht graphische Darstellung solcher Szenen lediglich dazu dient, um zu schockieren und dass es eben nicht wirklich um das Schicksal der (Neben)Figuren geht. Und das würde bedeuten, dass der Film genau das macht, was den Männern im Film vorgeworfen wird: er beutet die jungen Frauen aus. 

Zugegeben, das ist jetzt vielleicht eine etwas arg überzogene Ansicht. Aber ich bin der Meinung, dass der Film einige eklatante Fehler macht und dadurch viel des potentiell vorhandenen Anspruchs verliert. Da es eben in erster Linie Annas Geschichte ist, hätte es der ungeschönten und schockierenden Bilder aus dem Prostitutionsgeschäft nicht bedurft. Wenn es aber die Geschichte von allen drei Frauen sein sollte, dann hätten viele der langen Einstellungen aus dem Leben von Anna gekürzt werden müssen, um den Fokus darauf zu legen, wie sich die jungen Studentinnen durch ihre Arbeit verändern. Dass sie stark sind und für ihre Ziele auch Demütigungen und Schmerz in Kauf nehmen, wird ebenso klar, wie die Tatsache, dass sie ihr Schicksal nicht aus der Hand geben. Sie sind bewundernswerte junge Frauen, die aber trotz aller Stärke durch ihre Arbeit verändert und für ihr zukünftiges Leben geprägt werden. Dass dies hier überhaupt nicht oder nur sehr oberflächlich herausgearbeitet wird, sondern stattdessen der Fokus vornehmlich auf eine im Vergleich dazu eher uninteressante Geschichte gelegt wird, ist einfach nur schade. 

Daher gibt es von mir ein großes Lob an Joanna Kulig und Anaїs Demoustier für ihre mutigen und extrem starken Leistungen. Dass Regisseurin Malgoska Szumowska diese Leistungen nur zu Nebenschauplätzen degradiert hat, ist allerdings ein Manko, dass dem Film letztendlich viel seiner Kraft nimmt. Allerdings muss auch angemerkt werden, dass der Film einen sehr nachhaltigen Effekt hat und ganz gleich, ob dieser positiv oder negativ ist, für hitzige Diskussionen ist er allemal gut. Daher kann "Das bessere Leben" zweifelsohne als starker und effektiver Film bezeichnet werden. 

Bild + Ton: Die technische Umsetzung des Dramas liegt auf einem für dieses Genre gutem Niveau. Das Bild ist sauber und überzeugt mit einer guten Gesamtschärfe, wobei auch die Detaildarstellung gerade in den Außenaufnahmen und in den helleren Momenten gefallen kann. Der Ton ist insgesamt sehr zurückhaltend und wird in erster Linie von frontal abgemischten Dialogen bestimmt. Die Surroundkanäle kommen trotz eines 5.1 Mix eher selten zum Einsatz. Von einem stillen Drama sollte aber auch nicht viel mehr erwartet werden. Dafür gibt es unterm Strich dann auch noch ein ordentliches: Gut! 

Extras: Als Bonus hat die DVD zwei Interviews mit Juliette Binoche und Malgoska Szumowska zu bieten, die leider ohne optionale deutsche Untertitel ausgestattet sind, was gerade in dem etwas leise abgemischten Gespräch mit der Regisseurin negativ auffällt. Interessant sind die beiden Interviews aber allemal.

Fazit: "Das bessere Leben" ist ein sehr intensiv gespieltes Drama, über dessen Inszenierung sich durchaus streiten lässt. Unbestreitbar allerdings ist, dass Regisseurin Malgoska Szumowska einen Film gemacht hat, der lange nachwirkt und über den es sich hitzig diskutieren lässt. Und das kann bei aller berechtigten Kritik durchaus positiv gewertet werden. Die DVD ist technisch gut umgesetzt, bei den Bonus-Interviews fehlen leider deutsche Untertitel.

Ein Artikel von Sebastian Betzold

Media:

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