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Kino Kontrovers 5: Ich bin neugierig – Gelb/Blau – DVD

Kino Kontrovers 5: Ich bin neugierig – Gelb/Blau – DVD

Schweden 1967/1968 - mit Lena Nyman, Börje Ahlstedt ...

Filminfo

Originaltitel:Jar Är Nyfiken – Gul/Blå
Genre:Drama, Tragikomödie, Dokumentarfilm
Regie:Vilgot Sjöman
Verkaufsstart:10.11.2011
Produktionsland:Schweden 1967/1968
Laufzeit:ca. 117 Min. (Gelb), ca. 105 Min. (Blau)
FSK:ab 16 Jahren
Anzahl der Disc:2
Sprachen:Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:Deutsch
Bildformat:16:9 (1.33:1)
Extras:Geleitwort des Regisseurs, Dokumentation, Interviews, Archivmaterial, nicht verwendete Szene, Biografie des Regisseurs, Bildergalerien, Trailer, Booklet mit Essay zu den Filmen
Regionalcode:2
Label:Euro Video
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Film: Lena (Lena Nyman) ist neugierig. Neugierig darauf, was in ihrem Heimatland Schweden so vor sich geht. Politisch, gesellschaftlich, sexuell. Akribisch sammelt sie alles, was sie in Zeitungen über die politisch-sozialen Zustände in Schweden findet, führt unzählige Interviews mit gewöhnlichen Passanten und führt genauestens Buch über ihre diversen Liebschaften. Erst ihr 23. Liebhaber, der Autohändler Börje (Börje Ahlstedt), wird Lenas Ideale auf eine harte Probe stellen…

Dies ist freilich nur eine sehr oberflächliche Zusammenfassung des Inhalts von Vilgot Sjömans Film-Doppel "Ich bin neugierig – Gelb/Blau", einem nicht nur für die 68er Generation enorm prägenden Werk. Doch der eigentliche Inhalt der beiden Filme lässt sich eben nur schwer zusammenfassen. Als "Ich bin neugierig - Gelb" in die Kinos kam, löste der Film ungeahnte Kontroversen und Proteste aus. In den USA wurde Regisseur Sjöman sogar wegen angeblicher Pornografie angeklagt, in Norwegen wurde der Film verboten und auch in Deutschland schaffte es "Ich bin neugierig - Gelb" nicht ungeschnitten in die Kinos. In seiner Heimat Schweden waren es aber weniger die für damalige Verhältnisse recht freizügigen Sexszenen (Stein des Anstoßes in den USA war eine Szene, in der Lena den nicht erigierten Penis von Börje küsst), sondern eher die politischen Inhalte des Films.

Denn in erster Linie sind beiden Teile von "Ich bin neugierig" ein (gesellschafts)politisches Statement der 68er Generation, ein Sittengemälde seiner Zeit, das bewusst provoziert, um seine Botschaft zu vermitteln. Mit einer Mischung aus dokumentarischen Interviewsequenzen und Spielszenen, die im zweiten Film beinahe ins Absurde gesteigert werden, indem auch Regisseur Sjöman auftaucht und so die Grenzen zwischen Realität und Fiktion noch weiter verwischt werden, legen die Filme den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die sich ihr Scheitern nicht eingestehen möchte und die Augen vor den existierenden Missständen  zu verschließen versucht und von der jungen Generation unsanft wachgerüttelt wird.

Auch wenn es gerade die Sexualität war, die "Ich bin neugierig – Gelb/Blau" besonders außerhalb Schwedens ins Gespräch gebracht hat, so ist dieser Teil der Filme doch eigentlich vernachlässigbar. Denn die Aufregung um diese Szenen ist nach über vierzig Jahren nicht mehr ganz nachvollziehbar. Vielmehr sind Sjömans Filme ein interessantes Zeitdokument, das auch in filmischer Hinsicht eine wichtige Vorreiterposition einnimmt. Zugegeben, gerade für moderne Sehgewohnheiten muten die Filme mitunter arg sperrig an. Doch wer sich für Film- und Zeitgeschichte interessiert, der sollte sich dieses kontroverse Skandalwerk auf jeden Fall zu Gemüte führen.

Bild + Ton: Es dürfte kaum überraschend sein, dass die Bildqualität bei über 40 Jahre alten Schwarzweiß-Filmen nicht gerade umwerfend ist. Es gibt immer wieder Verschmutzungen und Unschärfen, die aber nur marginal vom Geschehen ablenken. Der Stereo-Ton ist in Ordnung und lässt die Dialoge sehr gut verständlich erklingen. Die Szenen, die in Deutschland einst herausgeschnitten und daher auch nie synchronisiert worden sind, werden übrigens im schwedischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Extras: Neben dem Booklet mit sehr ausführlichen Essays zu den Filmen haben beide DVDs jede Menge interessanter Extras zu bieten. "Gelb" offeriert ein Geleitwort von Regisseur Vilgot Sjöman, eine Featurette über den Skandal um den Film, Archiv-Interviews mit Kinobesuchern und Filmkritikern, sowie mit dem Verleiher und einem Anwalt. Kurze Archivaufnahmen rund um den Prozess, bei dem Vilgot Sjöman für seinen Film zur Rechenschaft gezogen werden sollte, sowie der Original-Kinotrailer runden das Angebot auf Disc 1 ab.

Disc 2 startet mit einem sehenswerten Dokumentarfilm von und mit Vilgot Sjöman aus dem Jahr 1992. Das 56 Minuten lange Selbstporträt lässt den 2006 verstorbenen Regisseur über seine Arbeit reflektieren und gibt dem Zuschauer damit einen guten Einblick in das Schaffen des Filmemachers. Dazu gibt es noch eine nicht verwendete Szene, in der Lena den Erzbischof besucht, eine Filmografie des Regisseurs, sowie eine Bildergalerie und den Original-Kinotrailer von "Blau".

Fazit: Die Filme "Ich bin neugierig – Gelb/Blau" waren seinerzeit ein echter Skandal, wurden in zahlreichen Ländern verboten und waren lange ungeschnitten überhaupt nicht erhältlich. Aus heutiger Sicht ist die Aufregung nicht mehr ganz nachvollziehbar. Doch auch wenn die Filme mit ihrer ungewöhnlichen Erzählform, die irgendwo zwischen Dokumentar-, Spielfilm und Satire angesiedelt ist, mitunter etwas schwerfällig und sperrig daherkommt, ist das filmische Doppel als film- und zeitgeschichtliches Dokument doch höchst interessant. Ungeschnitten und mit interessanten Extras versehen gibt es dafür ein verdientes: Empfehlenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

Media:

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