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Die Hochhaussiedlung Frankfurter Berg feiert 50. Geburtstag

07.06.2019 | 15:59 Uhr | Stadtgeflüster
Die Hochhaussiedlung Frankfurter Berg feiert 50. Geburtstag

"Urbanität durch Dichte" an den Niddaauen 

(ffm) Was für ein Blick! Am Horizont der sich sanft wellende Taunus, davor das saftige Grün der Niddaauen, im Rücken die Skyline. Willkommen auf dem Dach des Gebäudes Berkersheimer Weg 8 in der Hochhaussiedlung Frankfurter Berg, einer Jubilarin. Denn ihre Bewohner feiern am Wochenende, 8. und 9. Juni, Juni, das 50-jährige Bestehen des Quartiers. Oberbürgermeister Peter Feldmann ist Schirmherr des Festes. Wir haben der Jubilarin bereits vorher einen Besuch abgestattet. 

Einige Etagen tiefer ist der Blick noch genau so schön. Heide Kulzinger wohnt im 16. Stock und gehört zu den ersten Bewohnern des Hauses. 1970 zog sie mit ihrem Mann und dem acht Monate alten Sohn in die Dreizimmerwohnung. „Die frische Luft und der gute Schnitt der Wohnung“ ist das, was die 75-jährige Rentnerin an dem Haus schätzt. Die hellen Räume einschließlich Küche verfügen über großzügige Fenster und zeigen nach außen, das lichtlose Bad liegt innen – ein für die damalige Zeit modernes Konzept. Diesem folgen mit Abwandlungen die 1006 Wohnungen in vier Hochhäusern – eins mit 17, zwei mit 19 und eins mit 25 Geschossen – sowie sieben Achtstöckern. Rund 2000 Menschen wohnen in der Siedlung, die mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus gemäß dem damaligen städtebaulichen Leitbild „Urbanität durch Dichte“ folgten.

Ein Paradigma, das Segen und Fluch zugleich bedeutet. Viele junge Familien fanden damals eine moderne und günstige Wohnung, das Naherholungsgebiet vor der Tür. Doch das Gesicht der Siedlung hat sich gewandelt. „Heute grüßt keiner mehr“, sagt Kulzinger. Man kenne sich kaum noch. Früher hätten die Nachbarn sich untereinander geholfen. Doch das komme heute nur noch selten vor. Ein Eindruck, den Michael Bartram-Sitzius, Erster Vorsitzender des Bürgervereins Frankfurter Berg, bestätigt. Die ersten Familien zogen ab den Siebzigern wieder aus. Das Wohnungsamt belegte die Wohnungen mit unterschiedlichen Mietern, die auf Sozialwohnungen angewiesen waren. „Die große Verschiebung der sozialen Durchmischung hat der Siedlung nicht gut getan“, sagt Bartram-Sitzius. Und fügt hinzu: „Der damalige Sozialdezernent hatte Ende der Siebziger gegen starke Widerstände den Bau des Jugendhauses durchgesetzt. Dies half, die aufkommenden Probleme etwas einzudämmen.“ 

Hinzu kamen weitere Ursachen. Der Immobilien-Investor Werner Schleich kauft Ende der 80er die Wohnungen. Einige Jahre später fallen sie aus der Sozialbindung, die Mieten stiegen. Schleich geht 2007 pleite. Bereits viele Jahre zuvor hatte sich das klamme Unternehmen kaum noch um die Instandhaltung der Bestände gekümmert. Die Folge dieses Zusammenspiels vieler Faktoren: Die Siedlung geriet zum sozialen Brennpunkt. 

Heute gehören 450 Wohnungen der GWH Wohnungsgesellschaft Hessen, einer Helaba-Tochter, der Rest ist Privatbesitz. Die GWH bewirtschaftet zwei Hochhäuser und vier Achtgeschosser in der Siedlung. Die Hausmeister aus dem Büro in der Siedlung machen regelmäßig ihre Rundgänge. Der Effekt: Der Flur auf der Etage von Frau Kulzinger ist aufgeräumt. „Das sieht in den ehemaligen ‚Schleich-Häusern‘ teils anders aus. Da stehen beispielsweise viele Fahrräder auf dem Flur rum“, sagt Bartram-Sitzius. Die GWH setzt auf eine Mischung aus Service und sozialer Kontrolle. Ein Concierge sitzt im Erdgeschoss und hilft den Mietern bei kleinen Verrichtungen, hat aber auch den Eingangsbereich im Blick. Gleichzeitig zeichnen Videokameras das Geschehen im Fahrstuhl und anderen öffentlichen Bereichen auf. „Wir beugen so Vandalismus in unseren Gebäuden vor“, erläutert Martin Büttner von der GWH. 

Bartram-Sitzius lobt die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. So habe die GWH in der Siedlung für einen Raum für einen Frauentreff zur Verfügung gestellt. Dieser sei eine wertvolle Unterstützung für die Migrantinnen in der Siedlung. Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniere gut. Zwar sei einerseits deren Revier nach einer Zusammenlegung weiter weg, andererseits seien so aber mehr Streifenwagen unterwegs. „Wir haben sicherlich Probleme, aber die harten Zeiten liegen lange hinter uns“, sagt Bartram-Sitzius. 

Eine Einschätzung, die auch die Polizei bestätigt. „Wir sehen die Entwicklung sehr positiv“, sagt Andreas Wagner, Schutzmann vor Ort. Er kennt das Gebiet seit vielen Jahren. Bewährt habe sich die Zusammenarbeit mit Jugendhilfe, Vereinen und Ordnungsamt. Wichtig ist ihm bei seiner Arbeit, auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger im Blick zu haben. So bietet die Polizei ein wöchentliches Bürgergespräch an und setzt auf den Einsatz von Fußstreifen. „Die Bewohner und unser Gegenüber sehen so, dass wir präsent sind“, erklärt der Beamte. Wenig hilfreich ist es dann, wenn die Medien ein Viertel auf Hochhäuser und Crack-Dealer reduzieren, so etwa geschehen in einem Fernsehbeitrag im vergangen Jahr. Die Anwohner der Siedlung und des umliegenden Stadtteils wehrten sich öffentlich. 

Oberbürgermeister Feldmann kennt solche Themen aus eigener Erfahrung. In den Neunzigern leitete er für sechs Jahre das Jugendhaus am Bügel am Ben-Gurion-Ring. Das Viertel hatte damals ebenfalls mit Problemen zu kämpfen. „Welches Bild entsteht in den Köpfen, wenn man wie in solchen Beiträgen mit ausgestreckten Fingern auf die Menschen im Stadtteil zeigt. Die Wirklichkeit ist vielschichtiger!“, sagt er. Denn: „Es gibt immer die Menschen, die dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Das sind zuerst die Anwohner mit ihrer Initiative, die Jugendlichen, die sozialen Träger, die Polizei, die Wohnungsunternehmen, die Religionsgemeinschaften – und viele mehr! Diese Menschen müssen wir unterstützen“, sagt Feldmann. So entstünden viele kleine Lösungen, die den Stadtteil lebenswert machten. 

Ein Rundgang durchs Quartier zeigt, wie solche kleinen Lösungen aussehen. Auf einer Wiese verrichten Vierbeiner regelmäßig ihr Geschäft und die Halter scheinen es mit der Beseitigung auch nicht so genau zu nehmen. Bartram-Sitzius spricht Büttner von der GWH auf das Problem an: „Es fehlen Beutelspender und einige Abfallbehälter.“ „Notiere ich mir“, antwortet der Vertreter des Wohnungsunternehmens. Und fügt hinzu: „Da findet sich noch was. Notfalls spenden wir das zum Siedlungsjubiläum!“ 

Bei städtischen Projekten geht das nicht so einfach, schließlich sind die Projekte einige Hausnummern größer. So fließen aus dem Römer-Etat jährlich rund 844.000 Euro in die Jugend-, Familien- und Seniorenarbeit am Frankfurter Berg. Dazu gehören die im vergangenen Jahr dazu gekommenen „Jobscouts“. Mit diesem Projekt will man Jugendliche in der Siedlung gezielt bei der Arbeitssuche unterstützen. Ganz klar, der „Bersch“ – wie ihn der Volksmund nennt – hat Zukunft. Auf dem ehemaligen Kasernenareal nebenan sind bereits zusätzliche Wohnungen entstanden, auf dem benachbarten Hilgenfeld erschließt die Stadt ein Neubaugebiet. Andere Schritte wie Verkehrsprojekte sind angekündigt. So ist die Verlängerung der U-Bahnlinie 5 von Preungesheim zum S-Bahnhof des Stadtteils geplant. Ein neuer Verkehrsknotenpunkt soll so entstehen. Deswegen: „Glückwunsch und Korken auf für die nächsten 50 Jahre!“ 

Text: Ulf Baier

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