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Die neue Saison im Mousonturm ist eröffnet

30.08.2019 | 12:10 Uhr | Kultur
Die neue Saison im Mousonturm ist eröffnet

(ffm) Demokratische Strukturen erodieren rasant, die Ausbeutung des Planeten schreitet unaufhaltsam voran, doch den bislang operierenden politischen Kräften will es nicht gelingen, das Ruder herumzureißen. Nicht nur eine junge Generation protestiert weltweit. Mit dem Festival „Unfuck My Future. How to Live Together in Europe“ (30. August bis 8. September) stellt der Mousonturm angesichts der Dynamiken der aktuellen politischen Proteste in Europa sowie ihrer Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen zur Saisoneröffnung ein knappes Dutzend Theaterstücke, Performances und installative künstlerische Arbeiten in den Mittelpunkt seines Programms, die die Möglichkeiten eines Zusammenlebens unter verschiedenen politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten kritisch reflektieren. 

„Das Festival vereint künstlerische Fragestellungen und ästhetische Ausdrucksformen mit Formaten des öffentlichen Diskurses, die sich ebenfalls der gemeinsamen Zukunft in Europa und der Welt widmen“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig bei der Eröffnung des Festivals und der neue Spielzeit. „Der weiterhin erstarkende Populismus ist nach wie vor gerade auch im kulturellen Bereich ein ernstzunehmendes Phänomen, dem wir uns entgegen stellen müssen. Die Künste können Hinweise geben, wie man lernt, sich innerhalb der Komplexität dieser Aspekte und der Fragen über eine ungewisse Zukunft zurechtzufinden, indem sie Missstände pointiert darstellen oder Möglichkeiten für alternative Wege aufzeigen.“ 

Eröffnet werden bei dieser Gelegenheit auch zwei Kunst-Installationen: Anna Witt stellt mit ihrer beeindruckenden Videoarbeit „Das radikale Empathiachat“ ein performatives Zukunfts-Manifest Leipziger Jugendlicher vor, die sich Gedanken machten, in welcher Gesellschaft sie gerne leben möchten und ihre Utopien offen formulieren. Das entstandene Manifest wurde von der Gruppe nach den eigenen Vorstellungen in körperliche Ausdrucksformen und performative Interventionen im öffentlichen Raum übersetzt. Witts Videoinstallationen hinterfragen die Entstehung kultureller Stereo-typen und die Position des Individuums innerhalb gesellschaftlicher Systeme. Ihre Arbeiten greifen das Problem der Subjektbildung in Verbindung mit politischer Identität, Kollektivität und Bürgerrechten auf. Witt wurde in Wasserburg geboren, lebt und arbeitet in Wien. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Solo- und Gruppenausstellungen europaweit gezeigt. 

Paul Norman (Birmingham) und Leander Ripchinsky (Frankfurt) hingegen lassen in ihrer Installation „Trennungs-Songs of Togetherness“ das Publikum den Brexit musikalisch verarbeiten, indem sie Zusammensein, Lied und Trennung nicht einfach kritiklos hinnehmen, sondern behutsam, durch Spiel und Komposition, etwas Bedeutungsanmutendes aus der Reserve locken. Als Publikum sind wir gebeten, alle Erwartungen draußen zu parken und uns auf Regeln, Wörter, Klänge und verschiedenste Wege der Entscheidungsfindung einzulassen. 

An den Eröffnungsempfang schließt sich die spektakuläre, sechsstündige Koch-Performance des britisch-deutschen Performance-Kollektivs Gob Squad an, das in I Love You, Goodbye (Unfuck my Brexit Edition) ange-sichts der aktuellen Entwicklungen auch die eigene Geschichte und kulturelle Identität befragt. In diesem so vergnüglichen wie hellsichtigen Happening kehren die sieben Mitglieder der Gruppe unter Anleitung eines in feinstem Parlamentsenglisch zur Ordnung rufenden „Speakers of the House“ kulinarisch in ihre Familienprovin-zen zurück und bereiten ihre Speisen so engagiert zu, dass es ganz sicher um mehr als nur Rezepte geht. 

Am ersten Festivalwochenende steht dann unser Nachbarland Polen im Fokus des Programms: Erstmals in Frankfurt präsentieren wir den polnischen Erfolgsregisseur und Grenzgänger zwischen Theater und Performance Michał Borczuch. Seine am Warschauer Nowy Teatr uraufgeführte Theaterperformance „Cinema of Moral Anxiety“, zeigt der Mousonturm als Erstaufführung im deutschsprachigen Raum. Der Titel rekurriert auf die Politisierung polnischer Filmemacher (wie Andrzej Wajda und Krzysztof Kieślowski) Ende der 1970er Jahre kurz vor dem Beginn der Solidarność-Bewegung; und ein Teil der Aufführung rekonstruiert auch Kieślowskis frühes Werk „Der Filmamateur“, in dem ein Arbeiter eine Super 8-Kamera kauft, um die Geburt seines Kindes zu filmen. Als er beginnt, auch Werksversammlungen und Funktio-närsgespräche aufzunehmen, entdeckt er die manipulative, politische Sprengkraft seiner Kamera. Borczuch und seine famosen Schauspielerinnen und Schauspieler gehen in ihrer rasant bewegten, konzentrierten Aufführung auf Zeitreise — der Filmamateur begegnet auch dem Aussteiger Henry David Thoreau und jugendlichen Flaneu-ren von heute, denen die aktuellen Netflix-Serien zu apokalyptisch sind. Über all‘ dem Geschehen schweben Fragen — wie sich in einer kapitalistischen Gesellschaft ein richtiges Leben führen lässt und wie 2019 noch eine Gesten zivilen Ungehorsams gelingen können. 

Weiter ist im Fokus Polen an diesem Wochenende im Frankfurt LAB ein punkrockig-politisches Gastspiel des Berliner Maxim Gorki Theaters zu sehen: „Moja Prywatna Apokalipsa“ (My Private Apocalypse), von Krzysztof Minkowski mit der Warschauer Ausnahmeschauspielerin Marta Malikowska. Darin gründet sich, in einem imaginierten national-konservativen Europa im Jahre 2030 in den Katakomben des Warschauer Kulturpalastes, während eines konspirativen Konzertes die neue Keimzelle der Gegenbewegung! 

Ebenfalls an diesem Wochenende zeigt die Institution Arthur Romanowski „Rote Beete Reden“, ein Talk-Format und Skypegewitter mit unfrisierten Gesprächen, die Romanowski mit seiner polnisch-deutschen Oma über Rezepte und Theater unter Verwendung von Texten von Alfred Jarry, Marta Kijowska, Stanislaw Jerzy Lec, Stanislaw Lem, Brygida Najdowska und weiteren führt.

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