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#mitabstandgehtesnicht – Große Kundgebung für die Veranstaltungsbranche in Frankfurt

22.06.2020 | 17:10 Uhr | Kultur
#mitabstandgehtesnicht – Große Kundgebung für die Veranstaltungsbranche in Frankfurt
#mitabstandgehtesnicht – Große Kundgebung für die Veranstaltungsbranche in Frankfurt
#mitabstandgehtesnicht – Große Kundgebung für die Veranstaltungsbranche in Frankfurt

Auf und vor der STAGE DRIVE Bühne an der Jahrhunderthalle haben sich am Montag um 5 vor 12 zahlreiche Künstler*innen, Mitarbeiter*innen von Veranstaltungs‐ , Künstler ‐, Presse ‐ und Eventagenturen, Technikfirmen und Cateringfirmen oder auch Theaterschaffende versammelt, um auf die katastrophale wirtschaftliche Situation in der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen. Gefolgt wird diese Kundgebung heute Abend von der bundesweiten Aktion NIGHT OF LIGHT, über die wir Euch bereits HIER berichtet hatten und an der sich auch in Frankfurt zahlreiche Kulturinstitutionen und -schaffende beteiligen werden.   

Nach einem melancholischen, von Hoffnung auf eine bessere Zukunft durchzogenen Auftakt, bei dem Singer/Songwriter Jonathan Zelter seine neue Single „2030“ performte, machte der Initiator der Aktion, S-Promotion Geschäftsführer Stefan Schornstein, klar, dass der gewählte Hashtag #mitabstandgehtesnicht mitnichten bedeuten soll, dass die Veranstaltungsbranche den Abstand brechen wolle. Schließlich sind das Abstandhalten und das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, an das sich auch (fast) alle Teilnehmer der rund zweistündigen Kundgebung trotz stetig steigender Temperaturen gehalten haben, die besten Mittel gegen die Ausbreitung des Virus. Nein, vielmehr soll durch den Hashtag verdeutlicht werden, dass die ganze Branche mit den auferlegten Abstandsregeln finanziell nicht haltbar ist. Autokino-Konzerte, wie sie S-Promotion derzeit auf der Stage Drive Bühne präsentiert, sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und werden eigentlich nur gemacht, damit Kultur überhaupt wieder stattfinden kann. 

Die Forderung ist klar: Es muss eine Perspektive für all die Beschäftigten in der zweitgrößten Branche Deutschlands nach der Automobilbranche – viele von ihnen Solo-Selbstständige – geben. Schließlich sind in der Veranstaltungsbranche 1,2 Millionen Menschen aktiv. Diesen Menschen wurde vor über drei Monaten quasi ein Arbeitsverbot auferlegt und Hilfe gibt es kaum – trotz vieler Versprechen von Seiten der Politik. Damt sich hier etwas ändert, sind zahlreiche Kulturschaffende und Veranstalter nach Frankfurt gekommen. Auf der Bühne standen neben dem legendären Konzertveranstalter Marek Lieberberg oder den Frankfurter Theatermachern Michi Herl (Stalburg Theater, Stoffel Festival) und Michael Quast (Volksbühne, Barock am Main) auch Lokalpatrioten wie Badesalz, Mundstuhl oder Maddin Schneider, sowie nationale Künstler wie Bülent Ceylan, die Ehrlich Brothers, Mario Barth, Kabarettist Urban Priol und Faisal Kawusi. Den Künstlern war dabei wichtig, dass es bei dieser Kundgebung nicht um sie ging, sondern um all die Menschen, die sie dahin gebracht haben, wo sie heute sind. Denn wie Michi Herl so schön sagte: „Künstler sind auch die, die Kunst ermöglichen.“ 

Der Anlass für die Kundgebung ist ein ernster, denn in den meisten Bundesländern gibt es nach wir vor auch keine Perspektive, wann und wie Veranstaltungen wieder wirtschaftlich durchgeführt werden können. Doch die Forderung auf ein Zeichen aus der Politik, dass diese Branche nicht vergessen wird, wurde mitunter auch sehr humorvoll untermauert. So sagte Gerd Knebel etwa augenzwinkernd, dass man merke, wie wichtig das Anliegen sei, wenn die bis aufs Blut verfeindeten Gruppen Badesalz und Mundstuhl zusammen auf einer Bühne stehen würden.

Comedian Roberto Capitoni wollte gar nicht mehr von der Bühne: „Endlich wieder Menschen“, sagte er. „Da bekomme ich echt Gänsehaut.“  Da war er nicht der Einzige, denn während der Kundgebung gab es immer wieder einige echte Gänsehaut-Momente: etwa bei den Erlebnisberichten eines ehemaligen Obdachlosen, der sich seinen Traum erfüllt hat und Tontechniker geworden ist, sich dann im Laufe von über 13 Jahren seine Existenz aufgebaut und sich einen Namen in der Branche gemacht hat und jetzt wieder vor dem Nichts steht und bei einem Spargelbauern arbeitet, um zumindest einen Teil seiner Fixkosten zahlen zu können. Oder auch bei einer Nummer der Ehrlich Brothers, die auf drastische Art verdeutlichte, dass Entscheidungen aus der Politik den Todesstoß für die gesamte Branche bedeuten können. Auch der Moment, in dem Urban Priol all die Dienstleister aufzählte, die in der Eventbranche beschäftigt sind, machte klar, wie wichtig es ist, durch so eine Kundgebung oder durch eine Aktion wie die Night of Light ein Zeichen für die Veranstaltungsbranche und all die mit ihr verbundenen Dienstleister zu setzen. 

Bevor Bülent Ceylan die Kundgebung mit seiner Version des Marius Müller-Westerhagen Klassikers „Freiheit“ beendete, wurde noch einmal hervorgehoben, wie wichtig Kultur für unsere Gesellschaft, aber auch für unsere Wirtschaft ist. Es darf nicht sein, dass diese Branche derart unter der Krise zu leiden hat, während es für andere Bereiche deutlich mehr Lockerungen und finanzielle Hilfen gibt. Zudem steht zu befürchten, dass in den kommenden Jahren, wenn das Geld, das jetzt zur Rettung unserer Wirtschaft ausgegeben wird, wieder eingespart werden muss, als erstes bei der Kultur der Rotstift angesetzt wird. Deshalb sei es auch wichtig, so Michael Quast, dass alle Kulturschaffenden in der Bevölkerung für den Erhalt der Kultur werben, damit eine Strömung entsteht, die verhindert, dass Kultur nicht nur während, sondern auch nach der Krise "die Arschkarte gezogen hat". Man darf nie vergessen, um was es hier geht: Einer ganzen Branche droht das Aus, wenn sie jetzt nicht arbeiten darf und finanziell allein gelassen wird. Und deshalb muss eine Perspektive her, denn #mitabstandgehtesnicht!

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