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3096 Tage

3096 Tage

Deutschland 2012 - mit Antonia Campbell-Hughes, Thure Lindhardt, Amelia Pidgeon, Trine Dyrholm u.a

Die Frankfurt-Tipp Bewertung:

Filminfo

Genre:Drama
Regie:Sherry Hormann
Kinostart:28.02.2013
Produktionsland:Deutschland 2012
Laufzeit:ca. 109 Min.
FSK:ab 16 Jahren
Webseite:www.3096Tage.de
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Die Entführung von Natascha Kampusch war einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle der letzten Jahrzehnte. Überall auf der Welt waren die Menschen bewegt von dem Schicksal des Mädchens aus Wien, die im Alter von 10 Jahren auf dem Weg zur Schule von dem arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen gehalten wurde. Erst 2006 gelang der inzwischen 18jährigen Natascha die Flucht, woraufhin sich ihr Peiniger das Leben nahm. Die Medien stürzten sich sofort auf das Mädchen und stellten mitunter wilde Verschwörungstheorien auf, denen Kampusch dadurch Einhalt gebieten wollte, dass sie selbst an die Öffentlichkeit ging. Doch mit ihren Interviews und einer 2010 veröffentlichen Autobiografie hat sich Natascha Kampusch nicht nur Freunde gemacht. Da sie mit der Vermarktung ihres Schicksals nun Geld verdient, nehmen ihr gerade in ihrer Heimat viele Menschen übel.

Das was Natascha Kampusch widerfahren ist, ist ein unvorstellbarer Horror. Ganz gleich, wie viele Fragen ungeklärt bleiben und ganz gleich, ob sie einige Wahrheiten verschweigt oder nicht, man muss ihre Entscheidung, die traumatischen Erlebnisse in der Öffentlichkeit zu verarbeiten akzeptieren und sicherlich auch respektieren. Und sicherlich ist jeder Cent, den sie mit Buch, Interviews und dem Verkauf der Filmrechte verdient, nur ein geringer Trost für das, was ihr Priklopil genommen hat. In dieser Hinsicht ist die Verfilmung ihrer Geschichte eine absolut gerechtfertigte Sache. Das bedeutet allerdings nicht, dass man den Film automatisch als bewegend und ergreifend empfinden muss.

"3096 Tage" ist das Vermächtnis des 2011 verstorbenen Bernd Eichinger. Er hatte sich 2010 die Rechte an Natascha Kampuschs Buch gesichert und hat auf Grundlage des Buches und einiger Gespräche mit der jungen Frau ein Drehbuchfragment erstellt, das er allerdings nicht mehr vollenden konnte. Diese schwere Aufgabe übernahm schließlich Ruth Toma ("Solino", "Emmas Glück"), deren Script schließlich von Sherry Hormann ("Wüstenblume") verfilmt wurde. Die für einen internationalen Markt ausgelegte Produktion wurde in englischer Sprache gedreht, wodurch die Auswahl der Darsteller nicht auf den deutschsprachigen Raum beschränkt war.

Alle Beteiligten haben sich sichtlich bemüht, die Geschichte so authentisch und behutsam wie möglich umzusetzen. So wurde das Haus Priklopils nahezu identisch im Studio nachgebaut, was auch durch die einnehmende Kameraarbeit von Michael Ballhaus für eine bedrückende Atmosphäre sorgt. Das intensive Spiel von Thure Lindhardt ("Die Wahrheit über Männer") drückt genau das aus, was Kampusch kurz nach ihrer Flucht über ihren Entführer gesagt hatte: er habe sie "auf Händen getragen und mit Füßen getreten". Ohne ihn auf irgendeine Art zum Sympathieträger zu machen oder seine Tat zu verharmlosen schafft es Lindhardt sehr gut, die verschiedenen Seiten Priklopils zu verdeutlichen: seine Wutausbrüche, sein mal etwas verspieltes, dann wieder fast väterliches Verhalten, alles Ausdruck einer einzigen kranken Allmachtsphantasie. Diese Darstellung ist nicht weniger beeindruckend als die Leistungen von Amelia Pidgeon und Antonia Campbell-Hughes, die Natascha Kampusch im Alter von 10 bzw. 14-18 Jahren voller Hingabe spielen.

Doch so gut die Darsteller auch sind und so authentisch die Ausstattung, der Film bleibt merkwürdig kraftlos und unterkühlt. So sehr sich Sherry Hormann auch darum bemüht hat, die schreckliche Geschichte nicht plakativ, sondern zurückhaltend, dabei aber auch schonungslos ehrlich zu erzählen, so ist ihr das nur selten wirklich gelungen. Viele Momente wirken so, als müsste sie den Zuschauer mit aller Macht vermitteln, dass sie nun betroffen und schockiert zu sein hätten. Diese manipulativ wirkende Inszenierung hat allerdings einen eher gegenteiligen Effekt. Gerade im direkten Vergleich zum fast stoisch inszenierten "Michael" von Markus Schleinzer, der darin 2011 eine sehr ähnliche Geschichte erzählt hat, wird deutlich, wie viel mehr Zurückhaltung und Subtilität hier an den Tag hätte gelegt werden können. Gerade da die Geschichte an sich bekannt ist, hätte sich der Film noch intensiver auf die psychologischen Aspekte des Verhältnisses zwischen Täter und Opfer konzentrieren können, was die Wirkung mit Sicherheit deutlich intensiviert hätte.

Ein weiterer Negativaspekt ist die Synchronisation. Die ist in vielen Momenten nicht nur allzu offensichtlich fern davon entfernt, Lippensynchron zu sein, sie wirkt zudem in manchen Szenen beinahe schon ein wenig dilettantisch. Dass dies sehr viel besser machbar ist, haben deutsche Synchronstudios immer wieder eindrucksvoll bewiesen. Doch was hier abgeliefert wurde, ist einfach keine gute Arbeit.

"3096 Tage" erzählt eine bewegende und erschreckende Geschichte, die von großartigen Darstellern auf die Leinwand gebracht wird. Dass die Umsetzung letztendlich nicht die Kraft entfalten kann, die das Schicksal von Natascha Kampusch und auch die Leistung der Schauspieler verdient hätten, ist nicht nur schade, sondern auch aufgrund der hohen Aufmerksamkeit, die dem Werk entgegen gebracht wird, fast schon ein wenig ärgerlich.

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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Kino Trailer zum Film "3096 Tage (Deutschland 2012)"
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