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Halt auf freier Strecke

Halt auf freier Strecke

Deutschland 2011 - mit Milan Peschel, Steffi Kühnert ...

Filminfo

Genre:Drama
Regie:Andreas Dresen
Kinostart:17.11.2011
Produktionsland:Deutschland 2011
Laufzeit:ca. 109 Min.
FSK:ab 6 Jahren
Webseite:www.halt-auf-freier-strecke.de
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Es scheint so, als würde Regisseur Andreas Dresen die Dinge, über die man im Allgemeinen nicht spricht, gerne beim Namen nennt. So zeichnete er in "Wolke Neun" ein recht offenes und ehrliches Bild über Liebe und Sex im Alter. War das schon für Viele ein Tabu, so widmet sich Dresen in "Halt auf freier Strecke" nun Thema, über das noch extremer der Mantel des Schweigens ausgebreitet wird, obwohl es jeden Menschen betrifft und uns tagtäglich begleitet: das Sterben.

Damit sieht sich Frank Lange (Milan Peschel) konfrontiert, als er die schockierende Diagnose erfährt: er hat einen Hirntumor, der nicht entfernt werden kann. Frank wird sterben. Die Frage ist nur wann und wie. Die Zeit, die ihm noch bleibt, will Frank unbedingt an der Seite seiner Frau (Steffi Kühnert) und seiner beiden Kinder im gerade erst gekauften Eigenheim verbringen. Hier beginnt nun der langsame, schmerzhafte Prozess des Sterbens und der eigentlich unmögliche Versuch, sich mit dieser Situation abzufinden.

Nach intensiver Recherche und mit Hilfe und Mitarbeit von Ärzten hat Dresen ein enorm kraftvolles Porträt eines Sterbenden inszeniert, das von den Schauspielern ohne festes Drehbuch äußerst authentisch in Szene gesetzt wurde. Alleine die Leistung, die Milan Peschel hier abliefert, ist schlichtweg grandios. Die nüchterne Inszenierung, die völlig auf künstliche Dramaturgie verzichtet und sich hier und da sogar einer besonders skurrilen Form von Humor bedient, lassen den Zuschauer beinahe vergessen, dass hier eine gespielte Geschichte zu sehen ist.

Was den Film auszeichnet und in gewisser Weise auch wichtig macht, ist allerdings auch sein größtes Manko. Denn es stellt sich die Frage, was den Zuschauer bewegen soll, sich beinahe zwei Stunden lang das elende Leiden eines Menschen anzusehen, ohne Aussicht auf ein Happy End. Denn für die Meisten stellt der Gang ins Kino noch immer eine Form der Realitätsflucht dar und selbst bei recht authentischen Geschichten ist doch immer noch das Bedürfnis da, sich nach dem Ansehen gut zu fühlen und das Kino positiv gestimmt zu verlassen. Das ist hier aber unmöglich. "Halt auf freier Strecke" ist ein Schlag in den Magen, ein unbarmherziges Stück Realität, das schmerzt. Der Film macht deutlich, dass es eigentlich unmöglich ist, die Angst vor dem Tod zu verlieren.

Allerdings kann dieser Film auch helfen. Menschen, die ähnliches erlebt haben, fühlen sich hier vielleicht verstanden, können ihre Trauer verarbeiten und aus der Ehrlichkeit der Inszenierung vielleicht sogar neue Kraft schöpfen. Denn Dresen vermeidet gekonnt jede Sensationslust, bleibt in seiner schmerzhaften Ehrlichkeit immer auf gewisse Art intim und zurückhaltend und lässt so nie den Verdacht aufkommen, dass er bewusst versucht, ein Tabu zu brechen, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

"Halt auf freier Strecke" zu empfehlen, fällt schwer. Denn diesen Film zu sehen, ist wahrlich kein Vergnügen – und soll es auch gar nicht sein. Es ist ein starkes Stück Schauspielkino, ein Stück filmgewordene Realität. Wer sich damit konfrontieren lassen möchte, dem kann das Drama auf jeden Fall empfohlen werden. Wem aber die Wirklichkeit schon Realität genug ist, der könnte von der unbarmherzigen Wucht des Films leicht aus dem Kino getrieben werden.

Ein Artikel von Sebastian Betzold

Media:

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Kino Trailer zum Film "Halt auf freier Strecke (Deutschland 2011)"
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