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Kino Kontrovers 14: God bless America - DVD

Kino Kontrovers 14: God bless America - DVD

USA 2011 - mit Joel Murray, Tara Lynne Barr, Melinda Page Hamilton, Rich McDonald, Maddie Hasson u.a

Filminfo

Originaltitel:God bless America
Genre:Komödie, Drama
Regie:Bobcat Goldthwait
Verkaufsstart:14.02.2013
Produktionsland:USA 2011
Laufzeit:ca. 100 Min.
FSK:ab 16 Jahren
Anzahl der Disc:1
Sprachen:Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:Deutsch, Englisch
Bildformat:16:9 (2,35:1)
Extras:Interviews, hinter den Kulissen, entfernte/erweiterte Szenen, Outtakes, Musikvideo, Featurette, Trailer, Audiokommentar, Booklet
Regionalcode:2
Label:EuroVideo
Webseite:kinokontrovers.com/
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Amazon Link : Kino Kontrovers 14: God bless America - DVD

Film: Frank (Joel Murray) war eigentlich immer ein netter Kerl. Doch gebracht hat ihm das Nichts. Seine Ehe ist gescheitert und seine Ex-Frau erzieht die gemeinsame Tochter zu einer verzogenen, arroganten Göre. Seine extrem lauten Nachbarn kümmern sich einen Dreck um seine höflichen Bitten, nachts etwas ruhiger zu sein. Die nette Frau von der Rezeption an seinem Arbeitsplatz, die ihn jeden Morgen mit freundlichen Worten begrüßt hat, fühlt sich von einer lieb gemeinten Geste derart bedrängt, dass sie ihn beim Chef wegen sexueller Belästigung anschwärzt, was Frank seinen Job kostet. Und dann eröffnet ihm sein Arzt auch noch, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat und in Kürze sterben wird. Für Frank gibt es eigentlich nur noch den Ausweg, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Doch während er sich vor laufendem Fernseher darauf vorbereitet, sich das Hirn wegzublasen, wird er mit einem Wust aus seichten Reality-Serien und sinnfreien Castingshows konfrontiert. Und plötzlich wird Frank klar, dass er der Menschheit noch einen großen Gefallen erweisen kann, wenn er sie von all den arroganten Beauty-Queens, den radikalen Hass-Predigern und den talentfreien Casting-Stars befreit, die Tag für Tag die Hirne der Fernsehzuschauer vergiften. Als er seinen Kreuzzug gegen die allgemeine Dummheit startet, wird er von der sechzehnjährigen Roxy (Tara Lynne Barr) beobachtet, die sich dem zornigen Frank begeistert anschließt. Gemeinsam startet die Beiden auf eine blutige Reise quer durch die USA, bereit, dem schlechten Geschmack und dem Zynismus in ihrem Land mit allen Mitteln ein Ende zu setzen…

Bobcat Goldthwait erreichte in den 80er Jahren als Mitglied des Ensembles der "Police Academy"-Filme Kultstatus. Mittlerweile arbeitet der Comedian eher hinter, als vor der Kamera. Und sein Humor hat sich im Laufe der Zeit auch deutlich gewandelt. Vom eher einfach gehaltenen Slapstick und simpel gestrickten Gags, mit denen er als Zed in drei "Police Academy"-Filmen oder als Stimme von Mr. Floppy in der Serie "Auf schlimmer und ewig" seine Zuschauer zum Lachen gebracht hat, ist in seiner bissigen Medien- und Gesellschaftssatire "God bless America" kaum etwas zu spüren. Der Humor hier ist böse, hintergründig und politisch vollkommen unkorrekt.

Natürlich sollte der Film nicht als Aufforderung zur Gewalt angesehen werden. Denn das will die Satire auf keinen Fall sein. Aber als überspitzter Kommentar zu einer asozialen, Ich-bezogenen Gesellschaft ist Franks asoziales, mörderisches Handeln absolut passend. Franks Reaktion versinnbildlicht auf ihre drastische Art quasi das Unvermögen, Idiotie mit Verstand und mit Worten zu begegnen. Mit Menschen, die vor Friedhöfen protestieren, weil der Verstorbene homosexuell war oder TV-Kommentatoren, die aus Profitgier in ihren Sendungen nur Hass und Furcht verbreiten, lassen sich eben nicht mit vernünftigen Argumenten eines Besseren belehren.

Gleichzeitig wird der Zuschauer durch die drastische Brutalität geradewegs dazu gezwungen, sich mit der Thematik des Films kritisch auseinanderzusetzten, sie  zu diskutieren und auch die eigene Haltung zu hinterfragen. Ein sehr gutes Beispiel ist die Szene im Kino, in der Frank auf seine bleihaltige Art mit telefonierenden, respektlosen und ständig quatschenden Zuschauern umgeht. Jeder, der ins Kino geht, um einfach einen guten Film zu genießen und der dann mit solchen Idioten konfrontiert wird, hat mit Sicherheit schon mal ähnliche Gedanken gehabt, würde sie aber zum Glück niemals in die Tat umsetzten. Doch alleine die Tatsache, dass man sich derart über andere Menschen ärgern muss, dass selbst friedliebende Kinobesucher Gewaltphantasien der besonders drastischen Art entwickeln, zeigt doch, dass hier wirklich ein gesellschaftliches Problem vorliegt. Rücksichtnahme, Respekt oder einfache Anstandsregeln sind für zu viele Menschen ein Fremdwort geworden. Und darüber muss gesprochen werden. Aber dann doch lieber mit dem Mund, als mit der Knarre.

Gleiches gilt natürlich auch für die Medienkritik, die der Film übt. Besonders gelungen ist hier die Auflösung eines Handlungsstrangs, bei dem ein sehr schief singender Teilnehmer einer Castingshow in der Öffentlichkeit erst komplett lächerlich gemacht wird und dann zu einer Art Star aufgebaut wird. Wie Goldthwait diesen Teil der Geschichte durch eine so realitätsnahe wie traurige Äußerung des Castingshow-Teilnehmers auflöst, zeigt, wie gut beobachtet der Film ist und wie wenig überspitzt dieser Aspekt der Inszenierung ist. Denn auch wenn alle Ausschnitte aus Reality- und Casting-Shows, die Goldthwait zeigt, inszeniert sind und so nicht existieren, sind sie doch keine Parodie ihrer realen Vorbilder, sondern leider ein komplett realistisches Abbild.

"God bless America" ist unterhaltsam und komisch – doch es ist kein reiner Spaßfilm. Der Zuschauer wird aufgefordert, mitzudenken und zu reflektieren, um erkennen zu können, dass es sich bei der Satire um eine bittere und intelligente Medien- und Gesellschaftskritik und nicht um Gewaltverherrlichung handelt. Ein Film, für den die Reihe "Kino Kontrovers" geradezu gemacht ist. Absolut sehenswert!

Bild + Ton: Da zum Test nur ein dateneduziertes Pressemuster vorlag, kann an dieser Stelle keine Wertung über die finale Bild- und Tonqualität abgegeben werden. Da aber schon die datenreduzierte Fassung audiovisuell überzeugen konnte, kann auch bei der finale Abmischung von einer guten bis sehr guten Qualität ausgegangen werden.

Extras: Auch das Bonusmaterial konnte auf der Presse-DVD nicht gesichtet werden. Angekündigt sind, neben einem umfassenden Booklet, ein Audiokommentar des Regisseurs und seinen beiden Hauptdarstellern, Interviews, entfernte und erweiterte Szenen, Outtakes, ein Blick hinter die Kulissen, ein Musikvideo, eine Special zum Film sowie der Trailer.

Fazit: "God bless America" ist eine bitterböse, bissige Gesellschafts- und Mediensatire, in der Regisseur Bobcat Goldthwait mit Casting-Shows, Reality-Stars, nervenden Kinobesuchern, egoistischen Nachbarn, schlechten Eltern und verwöhnten Teenies auf mitunter sehr drastische Art abrechnet. Dadurch ist der Film in der Reihe "Kino Kontrovers" hervorragend aufgehoben. Doch auch wenn Goldthwaits Kommentar bisweilen etwas überspitzt und trotz einer offensichtlichen Komik beinahe schon nihilistisch wirkt, steckt der Film voller nicht immer angenehmer Wahrheiten, über die es sich wirklich nachzudenken und zu diskutieren lohnt. Und genau das macht diese böse, blutige Komödie dann auch: Absolut sehenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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