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Paradies: Liebe

Paradies: Liebe

Österreich/Deutschland/Frankreich 2012 - mit Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux, Dunja Sowinetz ...

Die Frankfurt-Tipp Bewertung:

Filminfo

Genre:Drama
Regie:Ulrich Seidl
Kinostart:03.01.2013
Produktionsland:Österreich/Deutschland/Frankreich 2012
Laufzeit:ca. 120 Min.
FSK:ab 16 Jahren
Webseite:www.paradies-trilogie.de/
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Die fünfzigjährige Wienerin Teresa (Margarethe Tiesel) fühlt sich in ihrem monotonen Leben gefangen. Ihr molliger Körper wirkt auf Männer wenig attraktiv und auch von ihrer stets lustlos wirkenden Tochter bekommt sie nicht die Liebe, die ihr so fehlt. Ein Urlaub in Kenia soll nun ein wenig Balsam für ihre von Tristesse erfüllte Seele bieten. Kaum ist sie in ihrem Hotel an der malerischen Küste angekommen, stellt sie fest, dass sie hier für die Männer nicht unsichtbar ist. Doch im Gegensatz zu ihren neuen Urlaubsbekanntschaften, die sich als sogenannte Sugarmamas Sex mit jungen schwarzen Beachboys erkaufen. Doch zunächst glaubt Teresa nicht daran, auch eine Sugarmama sein zu wollen. Ihr erster Versuch, sich von einem jungen Mann sexuell verwöhnen zu lassen, bricht sie schon nach wenigen Berührungen ab. Doch dann lernt sie Munga (Peter Kazungu) kennen, einen aufmerksamen jungen Mann, der sie nicht bedrängt und ihr das Gefühl gibt, aufrichtig an ihr interessiert zu sein. Doch nach einigen schönen Stunden zu zweit ändert sich dieser Eindruck schlagartig…

"Paradies: Liebe" ist der Beginn von Ulrich Seidls "Paradies"-Trilogie, der 2013 noch die Filme "Paradies: Glaube" und "Paradies: Hoffnung" folgen werden. Wie schon bei seinen früheren Arbeiten wie "Import Export" erweist sich Seidl auch bei "Paradies: Liebe" wieder als äußerst herausfordernder Regisseur, der seine Zuschauer mit unbequemen und ungeschönten Wahrheiten konfrontiert. Die Art und Weise, wie Teresa und ihre Freundinnen die jungen schwarzen Männer in einer Art Fleischbeschau beurteilen ("So schöne Oberschenkel hat er und so süße Ohren") oder einen verschüchterten Kellner der Lächerlichkeit preis geben, indem sie ihn dazu ermuntern, Österreichisch zu sprechen, wirkt auf der einen Seite wegen seiner Realitätsnähe abstoßend, auf der anderen Seite aber auch auf eine absurde Art und Weise komisch. Es ist Seidl hoch anzurechnen, dass er durch solche Szenen etabliert, dass Teresa eben nicht nur ein Opfer ist, sondern auch Täterin.

Interessant ist dabei ein Gespräch zwischen Teresa und ihrer Freundin Inge, die ihren Beitrag zum Sextourismus damit rechtfertigt, dass sie ihr Leben lang von Männern enttäuscht wurde und sich jetzt eben das nimmt, was sie will. So wird das Kaufen von Sex von den Frauen im Film als Stärke ausgelegt, während sie Männer, die sich der käuflichen Liebe hingehen, im Allgemeinen als Schwächlinge oder perverse Schweine ansehen. Mit Szenen wie dem ganz besonderen Geburtstagsgeschenk für Teresa macht Seidl diesen Unterschied aber zunichte, was seinen Film glaubwürdiger, aber eben auch unbequemer macht.

Allerdings ist "Paradies: Liebe" keine einseitige Anklage, sondern eher ein ungeschönter Einblick in eine Welt, in der Jeder den Anderen für seine Zwecke ausnutzt. Das ist in gewisser Weise beeindruckend, aber auch deprimierend und extrem schwer anzusehen. Allerdings ist es auch nicht Seidls Ziel, leichte Kinounterhaltung zu bieten. Er will, dass seine Zuschauer gefordert werden, über den Film nachdenken und diskutieren. Wer sich im Kino nicht entspannt berieseln lassen möchte, sondern hier Herausforderungen sucht, die mitunter auch extrem trist und schwer sein dürfen, und wer Ulrich Seidls ganz speziellen Stil zu schätzen weiß, dem kann "Paradies: Liebe" durchaus empfohlen werden. Für wen das Kino aber in erster Linie die Möglichkeit zur Flucht von der Realität darstellt, der wird sich mit diesem Gesellschaftsdrama nur schwer anfreunden können.

 

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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Kino Trailer zum Film "Paradies: Liebe (Österreich/Deutschland/Frankreich 2012)"
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