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Spieltrieb

Spieltrieb

Deutschland 2012 - mit Michelle Barthel, Maximilian Brückner, Jannik Schümann, Richy Müller, Ulrike Folkerts ...

Die Frankfurt-Tipp Bewertung:

Filminfo

Genre:Drama
Regie:Gregor Schnitzler
Kinostart:10.10.2013
Produktionsland:Deutschland 2012
Laufzeit:ca. 101 Min.
FSK:ab 12 Jahren
Webseite:www.spieltrieb-derfilm.de
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Die 15jährige Ada (Michelle Barthel) ist gelangweilt – gelangweilt von ihren Mitschülern, von den Problemen ihrer Mutter (Ulrike Folkerts) und von den überforderten Lehrern. Einzig dem seit dem Tod seiner Frau völlig gebrochenen Philosophielehrer Höfi (Richy Müller) gelingt es immer wieder, die intelligente Außenseiterin zu fordern und hinter ihre von bitterem Sarkasmus geprägte Fassade durchzudringen. Als der gut situierte Alev (Jannik Schümann) in Adas Klasse kommt, fühlt sich das Mädchen schnell zu dem drei Jahre älteren Jungen hingezogen. Sie spürt, dass er ähnlich unangepasst ist, wie sie und sein provokantes, selbstbewusstes Auftreten übt eine faszinierende Wirkung auf sie aus. Als sich die Beiden näher kommen, eröffnet Alev ihr seine ganz besondere Lebensanschauung. Für ihn ist das ganze Leben ein einziges Spiel und die Menschen dem Schicksal ausgelieferte Spielfiguren. Alev will Ada beweisen, dass er einen Menschen derart manipulieren kann, dass er die Spielregeln für diese Person völlig neu definieren und ihn so zu einem neuen und vielleicht besseren Leben zu leiten. Ein Kandidat ist schnell gefunden: der Lehrer Smutek (Maximilian Brückner), den Ada sexuell verführen soll. Alev filmt die Beiden beim Sex in der Turnhalle und tritt damit Ereignisse los, die bald außer Kontrolle zu geraten drohen…

Mit der Verfilmung von Juli Zehs Bestseller "Spieltrieb" legt Regisseur Gregor Schnitzler nach "Soloalbum" und "Die Wolke" eine weitere ambitionierte Romanadaption vor, die über weite Strecken auch durchaus zu überzeugen weiß. Gute Darsteller, bei denen besonders die beiden Newcomer Michelle Barthel und Jannik Schümann überzeugen können, eine atmosphärische Bildsprache und eine gut aufgebaute Dramaturgie werden der interessanten Thematik des Buches durchaus gerecht. Zwar kann der Film alleine schon durch die Laufzeitbeschränkungen nicht derart in die Tiefe gehen, wie die Vorlage und die psychologischen und moralischen Aspekte des Romans nur deutlich oberflächlicher behandeln. Dennoch ist es Schnitzler gut und unterhaltsam gelungen, die Intentionen der Autorin in die Sprache des Kinos umzusetzen.

Die Intention, intelligentes Kopfkino für ein junges Publikum zu inszenieren, wie es Produzent Markus Zimmer in einem Interview im Presseheft zum Film geäußert hat, steht einem durchweg positiven Gesamtbild allerdings ein wenig im Weg. Denn obwohl es den Machern hoch angerechnet werden muss, dass sie dem oftmals peinlich endenden Versuch, sich mit aufgesetzt cool wirkender Jugendsprache einem jugendlichen Zielpublikum anzubiedern, so muten die Dialoge oftmals einfach zu artifiziell an, um real und dadurch auch nachvollziehbar zu wirken. Was im Buch noch funktionieren mag, wirkt im Film einfach sehr gestelzt und unterkühlt, insbesondere da für die Sprache in Literatur und Kino einfach unterschiedliche Regeln gelten. Wäre man hier nicht so sehr um Anspruch bemüht gewesen und hätte stattdessen die Charaktere etwas "echter" erscheinen lassen, so hätte "Spieltrieb" mit Sicherheit als Film besser funktioniert.

Die Geschichte selbst und auch die Art und Weise, auf welche die Figur des Alev gezeichnet ist, lassen fast zwangsläufig Vergleiche zu "Eiskalte Engel" mit Ryan Phillippe und Reese Witherspoon aufkommen. Und auch das erweist sich für Schnitzlers Film nicht gerade als positiv. Sicherlich, bei genauer Betrachtung hält solch ein Vergleich nur an der Oberfläche stand. Dennoch wird dadurch aber auch verdeutlicht, dass es Roger Kumble mit seiner modernen Jugendadaption eines klassischen literarischen Stoffes besser gelungen ist, sein Zielpublikum zu erreichen, als das "Spieltrieb" gelingt. Denn hier fehlt jede Form von Selbstironie, von Leichtigkeit und cleverem Wortwitz, der "Eiskalte Engel" trotz seiner eher dramatischen Liebesgeschichte so unterhaltsam gemacht hat.

Das soll nicht heißen, dass "Spieltrieb" ein schlechter Film wäre. Weder im Vergleich zur Romanvorlage noch zu ähnlich konzipierten Filmen wie eben "Eiskalte Engel" offenbart Schnitzlers Film derart große Schwachpunkte, durch die er als missglückt bezeichnet werden müsste. Aber es kommt am Ende eben das Gefühl auf, dass sich der Film mit seinen hoch gesteckten Ambitionen selbst ein wenig im Weg steht und dass der Inszenierung etwas mehr Leichtigkeit und Natürlichkeit gut getan hätte, ohne zwangsläufig die Aussagekraft der Geschichte oder den intellektuellen Anspruch zu schmälern. So ist "Spieltrieb" eben "nur" ein guter Film, der aber das Zeug zu mehr gehabt hätte. Trotzdem reicht das immer noch für ein: Sehenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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Kino Trailer zum Film "Spieltrieb (Deutschland 2012)"
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