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Zero Dark Thirty

Zero Dark Thirty

USA 2012 - mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Joel Edgerton, Jennifer Ehle, Mark Strong, Kyle Chandler u.a

Die Frankfurt-Tipp Bewertung:

Filminfo

Originaltitel:Zero Dark Thirty
Genre:Thriller, Drama
Regie:Kathryn Bigelow
Kinostart:31.01.2013
Produktionsland:USA 2012
Laufzeit:ca. 157 Min.
FSK:ab 12 Jahren
Webseite:www.zerodarkthirty.de
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Nach dem großen künstlerischen Erfolg von "Tödliches Kommando – The Hurt Locker", der ihr als erster Frau überhaupt den Regie-Oscar einbrachte, legt Kathryn Bigelow jetzt mit "Zero Dark Thirty" nach. Ihr kontroverser Thriller erzählt nüchtern und mitunter beinahe schon dokumentarisch von der ermüdenden Jagd nach Osama bin Laden, die von Bürokratie, Fehlentscheidungen und politischen Stolpersteinen geprägt war. Im Mittelpunkt der auf wahren Ereignissen basierenden Geschichte steht die junge CIA-Agentin Maya (Jessica Chastain), die ohne große Erfahrungen mitten in den Kampf gegen den Terror geworfen wird. Scheint sie zu Beginn noch moralische Vorbehalte gegen Folter zu haben, die sie allerdings für sich behält, treibt sie bürokratische Engstirnigkeit mit der Zeit regelrecht in den Wahnsinn. Während ihre Vorgesetzten nur Däumchen zu drehen scheinen und sich als Spielball der Politik benutzen lassen, will Maya bin Laden endlich finden und zur Strecke bringen, koste es, was es wolle…

"Zero Dark Thirty", benannt nach der militärischen Zeitangabe 0:30 Uhr, als der Einsatz der Navy SEALS begann, der zur Tötung bin Ladens führte, wirkt sehr realistisch. Basierend auf Interviews mit Beteiligten an der Operation und intensiven Recherchen hat der Journalist Mark Boal, der schon "Tödliches Kommando – The Hurt Locker" geschrieben hat, ein Drehbuch verfasst, das die Arbeit der CIA und der Navy SEALs sehr wirklichkeitsnah wiederzugeben scheint. Man sollte aber nicht vergessen, dass Kathryn Bigelows Film keine Dokumentation ist, sondern eine Mischung aus Fakten, Halbwahrheiten und Fiktion. Die Filmemacherin will keine Wertung abgeben, will Aspekte wie Folter, politisches Kalkül oder militärische Sondereinsätze eher nüchtern und sachlich darstellen und dem Zuschauer seine eigene Interpretation und moralische Wertung überlassen. Das gelingt ihr gerade zu Beginn auch sehr gut. Wenn Maya zum ersten Mal mit der Folter eines Gefangenen, der angeblich wichtige Informationen besitzt, die zum Aufenthaltsort von Osama bin Laden führen könnten, glaubt man Schock und Abscheu im Blick der jungen Agentin zu sehen. Es scheint so, als wäre Maya quasi als Identifikationsfigur für den Zuschauer eingesetzt. Doch dieser Eindruck verschwindet, sobald ihr Kollege Maya mit dem Gefolterten alleine lässt und dieser sie um Hilfe bittet. Ihre Reaktion ist äußerst ernüchternd und offenbart, dass es Bigelow den Betrachtern eben nicht so einfach macht und ihnen eine Meinung und spezielle Sichtweise aufzwingt.

Im letzten Drittel des Films aber weicht die neutrale Distanz, die eine der Stärken des Films ist, etwas auf. Zwar wird die Stürmung des Hauses, in dem sich bin Laden versteckt hat, und auch seine Tötung beinahe dokumentarisch inszeniert. Doch Bigelow erlaubt sich in dieser Sequenz auch einige Dramatisierungen, die für mich eher nach Hollywood, als nach Realität aussehen. Zwar verzichtet sie auf den Pathos und den übertriebenen Patriotismus, den etwa "Act of Valor" an den Tag gelegt hatte. Dennoch sind die Grenzen zwischen Gut und Böse nur in dieser Szene ziemlich eindeutig gezeichnet. Sicherlich, die Navy SEALs, die an diesem Einsatz beteiligt waren, sind stille Helden, da sie nicht an die Öffentlichkeit treten dürfen, aber es sind Helden. Daran lässt der Film keinen Zweifel. Es wird eigentlich nur in Frage gestellt, ob sich durch die Tötung bin Ladens wirklich etwas ändern wird.

Was mich an diesem letzten Teil des Films etwas stört, ist, dass er irgendwie nicht recht zu dem nüchternen Blick, den Bigelow auf weite Teile der Ermittlungen wirft. Es würde auch keinen Sinn machen, hier offene Kritik am Vorgehen der USA zu üben, da Maya, das Sprachrohr des Films, mit Leib und Seele CIA Agentin ist, die niemals die Methoden ihres Landes offen in Frage stellen würde. Doch dadurch, dass die Navy SEAL Sequenz in gewisser Weise eindeutig Stellung bezieht, verliert auch die Neutralität des Beginns ein wenig an Glaubwürdigkeit.

Handwerklich ist "Zero Dark Thirty" über jeden Zweifel erhaben. Die Schauspieler sind allesamt sehr gut – auch wenn ich persönlich die Oscar-Nominierung für Jessica Chastain ein wenig überbewertet finde – und die Inszenierung hat immer wieder sehr intensive, spannende und packende Momente zu bieten. Doch da der Film eben keine Dokumentation ist und es auch nicht klar wird, was hier Fakt ist und wo sich Hollywood-Fiktion eingeschlichen hat, bietet der Film keine wirklich neuen Erkenntnisse. Wozu das Ganze also? Um über den Einsatz von Folter zu diskutieren? Um darüber zu sprechen, ob sich Terrorismus wirklich durch die Tötung von Leitfiguren eindämmen lässt? Um zu zeigen, dass der Kampf gegen den Terrorismus in erster Linie am Schreibtisch und hinter verschlossenen Bürotüren geführt wird? Alles schön und gut, aber dadurch wird "Zero Dark Thirty" eben noch nicht zu dem wichtigen und entlarvenden Film, zu dem ihn viele Kritiker machen wollen. Ein guter Polit-Thriller ist Kathryn Bigelow auf jeden Fall gelungen, ohne Frage ein würdiger, wenngleich auch etwas schwächerer Nachfolger von "The Hurt Locker". Aber das ganz große Meisterwerk, das die ganze Wahrheit über die Ergreifung bin Ladens erzählt, ist das Ganze nicht. Für Liebhaber guter US-Politthriller und solche Zuschauer, die an der Materie interessiert sind und sich der Diskussion um den Film anschließen möchten ist "Zero Dark Thirty" dann doch: Sehenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

Media:

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Kino Trailer zum Film "Zero Dark Thirty (USA 2012)"
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