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Große Realistik und große Abstraktion

Ausstellung
Städel Museum
Event-Termine:
Eintritt: Sa, So + Feiertage: 18,00 Euro, erm. 16,00 Euro / Di - Fr: 16,00 Euro, erm. 14,00 Euro
Wo:
Städel Museum
Dürerstraße 2
60596 Frankfurt am Main

„Große Realistik und große Abstraktion“ – zwischen diesen beiden Polen bewegt sich der etwa 1.800 Blätter umfassende Bestand an deutschen Zeichnungen des 20. Jahrhunderts in der Graphischen Sammlung des Städel Museums. Eine Auswahl von rund 100 Zeichnungen wird vom 13. November 2019 bis zum 16. Februar 2020 in einer konzentrierten Ausstellung präsentiert, die eindrucksvoll die Qualität der Sammlung und ihre historisch gewachsenen Schwerpunkte widerspiegelt.

Den Auftakt bilden meisterhafte Zeichnungen von Max Beckmann (1884–1950) und Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), die auch einen umfassenden Einblick in die Zeichenkunst der beiden Künstler gewähren. Darauf folgen Arbeiten von Mitgliedern der Künstlervereinigung „Brücke“, darunter Erich Heckel (1883–1970), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Emil Nolde (1867–1956). Anknüpfend an den Expressionismus und dessen abstrahierende Tendenzen werden Zeichnungen von Rolf Nesch (1893–1975), Werner Gilles (1894–1961) und Ernst Wilhelm Nay (1902–1968) gezeigt, ebenso Aquarelle von Paul Klee (1879–1940), dessen Arbeiten sich zwischen Gegenstandsnähe und Abstraktion bewegen. Auch im geteilten Deutschland der Nachkriegszeit ist diese Auseinandersetzung mit dem Gegenständlichen und Ungegenständlichen für die Künstler prägend. Dies zeigt sich in Werken des Informel genauso wie in neoexpressionistischen Strömungen oder der Pop-Art, etwa bei Karl Otto Götz (1914–2017), Joseph Beuys (1921–1986), Gerhard Richter (*1932), Georg Baselitz (*1938), A. R. Penck (1939–2017), Sigmar Polke (1941–2010) und Anselm Kiefer (*1945). Insgesamt sind in der Ausstellung Werke von rund 40 Künstlern versammelt.

 

„Die Erforschung des Bestandes der Graphischen Sammlung im Städel hat eine lange Tradition und wird nun mit einer pointierten Auswahl von deutschen Zeichnungen des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. Neben der umfangreichen und international bedeutenden Sammlung von Zeichnungen Max Beckmanns und der „Brücke“-Künstler verwahrt das Städel herausragende Werke von Paul Klee, Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay, Wols, Joseph Beuys, Georg Baselitz, Gerhard Richter und vielen anderen Künstlern. An diesen ausdrucksstarken, bis 1989/90, der Zeit der deutschen Wiedervereinigung, entstandenen Arbeiten lassen sich die Brüche, aber auch die Kontinuitäten des

20. Jahrhunderts, die sich verändernde Rolle und Aufgabe des Mediums der Zeichnung eindrucksvoll nachvollziehen,“ erklärt Städel Direktor Philipp Demandt.

 

Der Zeichnung kommt im 20. Jahrhundert eine besondere Rolle zu. Sie ist seit jeher Medium des Suchens, Erfindens und Experimentierens. In der Moderne gewinnt sie zudem an Eigenständigkeit und Autonomie und wird – vor allem in Zeiten staatlicher Überwachung und Unterdrückung – zu einem Medium des freien Denkens. In ihrer Vielfalt spiegelt sie nicht zuletzt auch die Komplexität der rasantem Wandel unterworfenen Kultur und Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.

 

„Das 20. Jahrhundert ist vielstimmig, widersprüchlich und extrem, auch in der Kunst: Es war ein Jahrhundert der Avantgarden, der Künstlergemeinschaften und unnachgiebigen Einzelpositionen, der Realismen und Abstraktionen. Das weite Spektrum, in dem sich die Kunst des 20. Jahrhunderts bewegt, lässt sich durch die beiden ,Pole‘ charakterisieren, die Wassily Kandinsky 1911 als für die Moderne grundlegend beschrieb: die ,große Realistik‘ und die ,große Abstraktion‘, das Gegenständliche und das Ungegenständliche. Dieses komplementäre Paar bildet einen Leitfaden, der die nahezu 1.800 Werke deutscher Zeichenkunst des 20. Jahrhunderts, die in der Graphischen Sammlung des Städel Museums bewahrt werden, auch über Generationen hinweg miteinander verknüpft. Diesem Pluralismus spüren die in der Ausstellung präsentierten und im Katalog bearbeiteten Zeichnungen nach“, erläutert Jenny Graser, Kuratorin der Ausstellung und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Graphischen Sammlung des Städel Museums.

 

Zu verdanken ist die wissenschaftliche Erforschung der deutschen Zeichnungen des 20. Jahrhunderts der Stiftung Gabriele Busch-Hauck, Frankfurt am Main. Diese Stiftung hat dankenswerterweise in den vergangenen Jahrzehnten in einem kontinuierlichen Engagement die kunsthistorische Erschließung ausgewählter Zeichnungsbestände des Städel Museums ermöglicht. Auch zu dieser Ausstellung erscheint ein Katalog, der den Bestand der deutschen Zeichnungen des 20. Jahrhunderts im Städel Museum erstmals exemplarisch erschließt.

 

Textquelle und weitere Informationen zu dieser Veranstaltung: http://newsroom.staedelmuseum.de/system/files_force/field/file/2019/st_presse_grosserealistikundgrosseabstraktion.pdf

Große Realistik und große Abstraktion
November 2019
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