Sound it out

Sound it out

Großbritannien 2011

Filminfo

Originaltitel:Sound it out
Genre:Dokumentarfilm
Regie:Jeanie Finlay
Kinostart:10.05.2012
Produktionsland:Großbritannien 2011
Laufzeit:ca. 77 Min.
FSK:ab 0 Jahren
Webseite:www.neuevisionen.de
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Vor einigen Jahren gab es sie gerade in den Großstädten an fast jeder Ecke, heute sind sie fast vollständig ausgestorben: kleine unabhängige Plattenläden sind in Zeiten von großen Elektronikketten und Musikportalen eine echte Rarität geworden. Alleine in Großbritannien haben in den letzten Jahren über 500 solcher Läden dichtgemacht. In der Stadt Stockton in der Region Teesside, steht Sound it Out, der letzte Vinyl-Plattenladen im Nordosten Englands. Auf 115qm findet der geneigte Musikfan hier nahezu Alles, was das Herz begehrt. Über 50.000 Schallplatten und CDs bietet Tom, Besitzer von Sound it Out, seiner Kundschaft an. Für Viele, die hier regelmäßig einkehren, ist Musik mehr, als nur eine Leidenschaft und der Laden eine Art zweite Heimat. Grund genug für die Filmemacherin Jeanie Finlay, dem Plattenladen ihres ehemaligen Schulkameraden Tom und seinen Kunden einen Dokumentarfilm zu widmen.

"Sound it out" ist natürlich in erster Linie ein Porträt des Ladens, seiner Mitarbeiter und einiger Stammkunden. Gleichzeitig aber ist es auch ein einnehmendes Abbild der Region, deren wirtschaftliche Zukunft ebenso ungewiss ist, wie die des Plattenladens. Dort teilt Tom seine Liebe zur Musik nur allzu gerne mit seinen Kunden, selbst dann, wenn er ihren Geschmack nicht teilen kann. Er weiß, was es bedeutet, ein bestimmtes Musikstück zu lieben und mit wichtigen Erinnerungen zu verbinden. Die Kunden schätzen Toms Aufgeschlossenheit, sein Fachwissen und seinen Enthusiasmus. Ein älterer Stammkunde, der im Sound it out gerne Songs kauft, die er zuvor im nahe gelegenen Pub gehört hat, bringt es am Ende des Films perfekt auf den Punkt: Es ist ein großartiger Service. Hier bekommt man einfach Alles, ausgenommen leichte Damen aus Thailand.

Jeanie Finlay war fasziniert davon, wie viel die Ordnung einer Plattensammlung über einen Menschen aussagen kann. Die Kunden, die sie etwas genauer vorstellt, sind dann auch äußerst unterschiedliche Sammler. Da gibt es etwa den leidenschaftlichen Status Quo Fan Shane, der seine Plattensammlung nach seinem Ableben zu einem Sarg einschmelzen lassen möchte, so dass seine geliebten Platten auf keinen Fall in falsche Hände geraten und mit ihm beerdigt werden. Oder Chris, der Monat für Monat 100 Pfund bei Tom hinterlegt, für die er dann seine über 2000 Exemplare umfassende, streng alphabetisch geordnete Sammlung erweitern kann. Oder der Metal-Fan Gareth, für den Musik und seine Freundschaft zu seinem Kumpel Sam die einzigen Dinge sind, die ihm vom Suizid abgehalten. Ein Leben ohne das Sound it Out können und wollen sich diese Menschen einfach nicht vorstellen.

"Sound it out" lässt gerade bei Zuschauern über 30 das wohlige Gefühl wieder erwachen, wie es war, in einem Plattenladen herumzustöbern, vielleicht ein echtes Juwel zu finden und wie es war, wenn man dann zum ersten Mal die Nadel des Plattenspielers auf die Scheibe gesetzt hat und nach dem leichten Knacken die ersten Klänge eines Albums zu hören, das einen vielleicht das ganze Leben lang begleiten wird. Es ist ein Gefühl, das in einer Zeit, in der man eigentlich alles ohne großen Aufwand schnell im Internet finden kann, völlig verloren gegangen ist. Eine charmante, amüsante und kurzweilige Dokumentation, die sich nicht nur Musikliebhaber und leidenschaftliche Plattensammler auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Absolut sehenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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Kino Trailer zum Film "Sound it out (Großbritannien 2011)"
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