Tomboy

Tomboy

Frankreich 2010 - mit Zoé Héran, Malonn Lévana, Jeanne Disson, Sophie Cattani u.a

Filminfo

Originaltitel:Tomboy
Genre:Drama, Kinderfilm
Regie:Céline Sciamma
Kinostart:03.05.2012
Produktionsland:Frankreich 2010
Laufzeit:ca. 84 Min.
FSK:ab 6 Jahren
Webseite:www.tomboy-film.de
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Die zehnjährige Laure (Zoé Héran) interessiert sich nicht wie die meisten ihrer Altersgenossinnen für Puppen oder schöne Kleider. Laure trägt lieber Hosen, hat die Haare kurz geschnitten und wäre ohnehin lieber ein Junge. Als sie mit ihrer Familie in ein neues Wohngebiet zieht, sieht das Mädchen die Chance für einen kompletten Neuanfang gekommen. Vor ihren neuen Freunden gibt sie sich kurzerhand als Michael aus und lässt sich immer wieder neue Tricks einfallen, um diese Fassade aufrecht zu erhalten. Dass dieses Spiel spätestens am ersten Tag an der neuen Schule auffliegen wird, davor verschließt Laure die Augen. Zu glücklich ist sie als Michael, der mit den anderen Jungs Fußball spielt, seine kleine Schwester verteidigt oder mit der hübschen Lisa verliebte Blicke austauscht…

Mit "Tomboy" wagt sich die französische Regisseurin Céline Sciamma an ein recht schwieriges Thema. Identitätsprobleme eines Kindes, das für sich herauszufinden versucht, ob es lieber ein Junge oder doch ein Mädchen sein möchte, werden im Kino wirklich nicht alle Tage behandelt. In wenigen Tagen mit einer kleinen Crew hat Sciamma den Film mit einer Mischung aus spontaner Improvisation und festem Drehbuch in Szene gesetzt. Der fast komplette Verzicht auf Musik und das sehr natürlich wirkende Spiel der Kinderdarsteller geben dem Film einen sehr authentischen Charakter, der den inneren Kampf, den Laure/Michael durchlebt, richtig spürbar macht.

Zoé Héran, die gleich am ersten Tag des Kindercastings entdeckt worden ist, liefert eine wirklich großartige Leistung ab. Ob sie als Junge unbeschwert mit den anderen Kindern spielt, oder sich als Mädchen mehr und mehr der Konsequenzen ihrer Lügen bewusst wird, nie wirkt die junge Darstellerin so, als würde sie diese Rolle nur spielen. Héran ist ein echter Glücksgriff für den Film, der alleine aufgrund ihres starken Spiels enormen Eindruck hinterlässt.

Es ist sehr angenehm, dass Sciamma die sehr gradlinig aufgebaute Dramaturgie immer wieder durch leisen Humor auflockert. Besonders die kleine Malonn Lévana, die Laures Schwester Jeanne spielt, sorgt für einige zauberhafte und sehr amüsante Momente. Es ist genau diese Mischung aus Drama und Humor, die die schwierige Thematik des Films glaubhaft und nachhaltig vermittelt. Allerdings muss auch gesagt sein, dass die Inszenierung mitunter etwas sperrig anmutet und sich wohl eher nur erfahrenen Programmkinobesuchern erschließen wird. Und genau darin liegt das Problem des Films. Denn es wird nie ganz klar, an wen sich "Tomboy" richtet. Für Kinder ist die Geschichte sicherlich spannend, die Umsetzung aber zu "unspektakulär", um wirklich die Aufmerksamkeit jüngerer Zuschauer halten zu können. Erwachsene werden vielleicht von dem Spiel der Darsteller beeindruckt sein, werden sich aber nur bedingt für die einzelnen Elemente der Geschichte interessieren. Übrig bleibt eine kleine Schnittmenge, die aber die hohe Qualität des Films sicherlich zu schätzen wissen wird.

Ein anspruchsvoller "Kinderfilm", der mit seiner interessanten Thematik und tollen Kinderdarstellern über einige Längen in der etwas sperrigen Inszenierung hinweg tröstet. Für Liebhaber besonderer Arthaus-Kost und für Eltern, die sich mit ihren Kindern auch gerne mal an etwas schwierigerer Kost jenseits des Mainstreams versuchen, durchaus empfehlenswert!

Ein Artikel von Sebastian Betzold

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Kino Trailer zum Film "Tomboy (Frankreich 2010)"
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