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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 für Philippe Sands: Eine Rede gegen das Schweigen

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zuletzt aktualisiert 11.10.2026 | 15:16 Uhr | Frankfurt
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 für Philippe Sands: Eine Rede gegen das Schweigen

Der Jurist und Autor Philippe Sands hat in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 erhalten. Seine Dankesrede war ein Plädoyer für das Völkerrecht. Und eine deutliche Kritik an Deutschlands Haltung zu Israel.

Es waren unbequeme Worte, die Philippe Sands am Sonntag, 11. Oktober, in der Frankfurter Paulskirche fand. Der französisch-britische Jurist und Schriftsteller sprach über Gerechtigkeit, über die Verantwortung, Unrecht beim Namen zu nennen, und über die Folgen des Schweigens. Rund 700 geladene Gäste hörten zu, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig. Für seine Rede erhielt Sands stehende Ovationen.

„Der Albatros des Schweigens“ lautete der Titel seiner Dankesrede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Darin führte Sands die Themen zusammen, die seine juristische und literarische Arbeit bestimmen: die Rechte des Einzelnen, den Schutz von Gruppen und die Frage, ob wir bereit sind, unsere Grundsätze auch dann zu verteidigen, wenn es politisch schwierig wird.

Seinen Ausgangspunkt formulierte er knapp: „Frieden braucht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit braucht Regeln. Regeln brauchen das Recht.“ Dieses Recht müsse für alle gelten. Wer es nur dort einfordere, wo es den eigenen Interessen entspreche, werde seinem Anspruch nicht gerecht.

Deutliche Kritik an Deutschland

Besonders deutlich wurde Sands mit Blick auf Israel, den Gazastreifen und das Westjordanland. Deutschland habe viele Gräueltaten angeprangert und sei gegen Unrecht aktiv geworden. In diesem Fall aber sei „das deutsche Schweigen bis heute laut“.

Dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten inzwischen schärfere Kritik am Handeln Israels übten, bezeichnete er als richtig, wenn auch weiterhin zu zögerlich. „Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht ‚Anti-Israel‘. Es ist die Wahrheit“, sagte Sands.

Seine Forderung nach Verantwortlichkeit bezog er auf Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord gleichermaßen. Solche Verbrechen müssten angeprangert werden. Gerade angesichts erstarkender Nationalismen und Populismen dürfe die internationale Gemeinschaft ihre Regeln nicht preisgeben. Für den Rechtsstaat brauche es einen langen Atem.

Ein Erzähler, der Widersprüche aushält

Die Laudatio hielt die Historikerin Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Sie würdigte Sands als einen Autor, der literarischen Anspruch mit historischer Genauigkeit verbindet. Obwohl seine Bücher tief in menschliche Abgründe führten, seien sie weder von Bitterkeit noch von Zynismus geprägt. Aus ihnen spreche vielmehr „die Liebe zur Musik, die Liebe zur Welt und die Liebe zu den Menschen“.

Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, beschrieb das Spannungsverhältnis zwischen Sands’ beiden Berufen. Als Jurist arbeitet er auf ein Urteil hin. Als Schriftsteller öffnet er den Blick wieder für die Vielschichtigkeit eines Falls, für die beteiligten Menschen und für das, was sich mit einem Urteil allein nicht erklären lässt.

Auch Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef verband die Verleihung mit einem politischen Appell. Freiheit und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeit. „Handeln wir, bevor es zu spät ist“, sagte er.

Was Recht und Literatur verbindet

Am Ende seiner Rede kam Sands auf das Schweigen zurück. Für ihn liegt hier eine gemeinsame Aufgabe von Recht und Literatur: Geschichten erzählen, Vorurteilen widersprechen und Dinge ans Licht bringen, die andere lieber verborgen hielten. „Schweigen ist nicht der Weg. Nicht für eine Familie. Nicht für eine Gemeinschaft. Nicht für ein Land.“

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Zu den bisherigen Ausgezeichneten gehören Astrid Lindgren, Václav Havel, Susan Sontag und Salman Rushdie. Mit Philippe Sands ehrt der Börsenverein in diesem Jahr einen Autor, der die Verleihung in Frankfurt auch dazu nutzte, seinem Publikum schwierige Fragen zu stellen.

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