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Hochheimer Markt: Schaustellerkultur ist immaterielles Kulturerbe

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zuletzt aktualisiert 05.10.2026 | 19:50 Uhr | Kultur & Freizeit
Hochheimer Markt: Schaustellerkultur ist immaterielles Kulturerbe

Die Schaustellerkultur auf deutschen Volksfesten gehört zum Immateriellen Kulturerbe. Was damit gemeint ist, lässt sich beim Hochheimer Markt erleben. Vom 6. bis 10. November 2026 kommen hier wieder Generationen zusammen.

Als Kind geht man mit den Eltern hin, später mit Freunden. Irgendwann steht man selbst neben dem Karussell und winkt dem eigenen Nachwuchs bei jeder Runde zu. Vieles verändert sich in diesen Jahren. Der Hochheimer Markt bleibt für viele ein fester Termin.

Gerade diese Selbstverständlichkeit macht ihn interessant. Denn wer an Kulturerbe denkt, hat vermutlich zunächst eine Kirche, ein Schloss oder ein altes Gemälde vor Augen. Ein Riesenrad dürfte seltener dazugehören. Dabei steckt auch hinter Fahrgeschäften und Buden eine Kultur, die über Generationen gewachsen ist.

Die „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ wurde in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Eine wichtige Unterscheidung gehört dazu: Der Hochheimer Markt selbst hat keinen eigenen UNESCO-Titel erhalten. Gewürdigt wird die Schaustellerkultur in Deutschland, für die auch dieser Markt steht.

Eine Tradition, die jedes Jahr Arbeit macht

Was Besucher als Vergnügen erleben, ist für Schaustellerfamilien Alltag und Beruf. Fahrgeschäfte müssen transportiert, aufgebaut, gewartet und betrieben werden. Dafür braucht es technisches Wissen, handwerkliches Können und Erfahrung. Vieles davon wird innerhalb der Familien weitergegeben.

Zum Hochheimer Markt gehören außerdem Händler, Gastronomen, Winzer und Vereine. Die Mischung aus Marktständen, Messe und Fahrgeschäften prägt das Fest seit Langem. Man kommt zum Schauen und Einkaufen, trifft Bekannte oder lässt sich von den Kindern zur nächsten Fahrt überreden.

„Was hier entsteht, kann man nicht einfach in ein Museum stellen“, sagt Thomas Pokoyski, Geschäftsführer der Hochheimer Wohnungsbaugesellschaft, die den Markt veranstaltet. „Der Markt lebt davon, dass Menschen ihn jedes Jahr aufbauen, gestalten, besuchen und ihre eigenen Erinnerungen damit verbinden.“

Das beschreibt ziemlich genau, was immaterielles Kulturerbe ausmacht. Es braucht Menschen, die ihr Wissen anwenden und weitergeben. Und Menschen, die wiederkommen.

Vertraut bleiben, ohne stehen zu bleiben

Bürgermeister Dirk Westedt kennt die Bindung vieler Hochheimer an ihren Markt. „Man wächst mit ihm auf. Man besucht ihn als Kind mit den Eltern, später mit Freunden und irgendwann mit den eigenen Kindern und Enkeln.“

Doch auch ein Fest mit jahrhundertelanger Geschichte ist kein Selbstläufer. Steigende Kosten stellen die Veranstalter vor Herausforderungen. Die Stadt unterstützt den Markt deshalb finanziell. Westedt verweist dabei auch auf seine Bedeutung für Geschäfte, Gastronomie und Hotels vor Ort.

Für die Veranstalter bleibt die Aufgabe, den vertrauten Charakter zu erhalten und zugleich ein Angebot zu schaffen, das neue Besucher anspricht. Die Anerkennung der Schaustellerkultur nimmt ihnen diese Arbeit nicht ab. Sie gibt aber Anlass, genauer hinzusehen: auf die Familien hinter den Fahrgeschäften, auf ihr Können und auf eine Tradition, die jedes Jahr erneut organisiert werden muss.

Vom 6. bis 10. November 2026 ist das in Hochheim wieder zu erleben. Die meisten werden wegen der Fahrgeschäfte kommen, wegen der Marktstände oder weil sie hier verabredet sind. Und manche werden zum ersten Mal neben einem Karussell stehen und ihrem eigenen Kind zuwinken.

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