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BINDING-KULTURPREIS 2026 FÜR DAS BRIDGES KAMMERORCHESTER

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zuletzt aktualisiert 25.09.2026 | 07:12 Uhr | Kultur
BINDING-KULTURPREIS 2026 FÜR DAS BRIDGES KAMMERORCHESTER

Europäische Klassik, arabische und persische Musiktraditionen, Jazz: Das Frankfurter Bridges Kammerorchester entwickelt aus unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen einen eigenen Klang. Dafür erhalten das Ensemble und seine Dachorganisation den mit 50.000 Euro dotierten Binding-Kulturpreis.

Was ein Orchester spielt, hängt auch davon ab, wer darin zusammenspielt. Beim Frankfurter Bridges Kammerorchester gilt das in besonderem Maße. Knapp 30 professionelle Musikerinnen und Musiker mit und ohne Fluchtgeschichte bringen ihre Instrumente, ihre musikalische Ausbildung und ihre eigenen Kompositionen ein. Europäische, arabische und persische Klassik treffen auf traditionelle Musik und Jazz. Die Stücke für diese Besetzung entstehen aus dem Ensemble heraus.

Für diese Arbeit werden das Bridges Kammerorchester und seine Dachorganisation Bridges – Musik verbindet gGmbH mit dem Binding-Kulturpreis 2026 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Überreicht wird er am 27. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers, im Beisein von Oberbürgermeister Mike Josef.

Die Anfänge von Bridges liegen in der Zeit nach der Fluchtbewegung von 2015. Unter der Leitung der Musikerin Johanna-Leonore Dahlhoff und der Kulturmanagerin Anke Karen Meyer fanden Musikerinnen und Musiker zusammen, deren musikalische Wege zuvor durch unterschiedliche Länder und Traditionen geführt hatten. Daraus ist über rund zehn Jahre eine feste Größe im Musikleben der Region geworden.

Bridges bezeichnet sich als „komponierendes Orchester“. Das beschreibt ziemlich genau, was die Arbeit besonders macht: Die Mitglieder spielen und schreiben die Musik selbst. Traditionelle Instrumente ihrer Herkunftsländer stehen neben dem Instrumentarium eines europäischen Kammerorchesters. Für dieses Zusammenspiel entwickeln sie ein eigenes Repertoire, das mit den Erfahrungen und Ideen der Beteiligten weiterwächst. Auch die Organisation wird als Teil der freien Szene wesentlich von den Künstlerinnen und Künstlern selbst geprägt.

Zu hören ist das Orchester in der Alten Oper Frankfurt und im Casals Forum in Kronberg, aber auch auf Bühnen weit außerhalb des Rhein-Main-Gebiets, darunter die Hamburger Elbphilharmonie. Das Debütalbum „Identigration“ erhielt 2021 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. 2024 folgte das Album „Complementarity“.

Ein ebenso wichtiger Teil der Arbeit findet abseits der großen Konzertsäle statt. Unter dem Dach von Bridges sind acht weitere, kleinere Ensembles mit unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkten entstanden. Viele ihrer Projekte führen Kinder und Erwachsene an Musik heran und geben ihnen Gelegenheit, selbst mitzumachen.

Wie konkret das aussehen kann, zeigt die langjährige Zusammenarbeit mit der Henri-Dunant-Grundschule in Sossenheim. Dort entstand unter anderem die Stadtteiloper „Du bist okay!“. Die Kooperation wird fortgesetzt. Im Rahmen des Pegasus-Programms der Alten Oper kam 2026 außerdem das Kindermusiktheaterstück „Hüpfen!“ hinzu. Die Arbeit an Schulen und mit Familien gehört damit ebenso zum Selbstverständnis von Bridges wie das Konzertprogramm.

Mit der Preisverleihung ist auch ein Wechsel an der Spitze der Binding-Kulturstiftung verbunden. Marie-Catherine Gräfin Douglas übernimmt den Vorstandsvorsitz von ihrer Mutter Bergit Gräfin Douglas und wird die Auszeichnung überreichen. Die Laudatio hält der Musikwissenschaftler Björn Gottstein, Sekretär des Kuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung.

Seit 1996 würdigt der Binding-Kulturpreis Persönlichkeiten und Einrichtungen, die das kulturelle Leben in Frankfurt und Rhein-Main prägen und über die Region hinaus Anerkennung finden. Zu den bisherigen Preisträgern gehören das Ensemble Modern, das Künstlerhaus Mousonturm, der Tigerpalast und das Literaturhaus Frankfurt. Mit Bridges wird nun ein Orchester ausgezeichnet, das auf ganz eigene Weise hörbar macht, wie vielfältig diese Region ist.

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