Zwei Wochen lang wird Kronberg zum Treffpunkt der internationalen Klassik. Zum Auftakt des Festivals „Courage!“ wurde die venezolanische Pianistin und Komponistin Gabriela Montero ausgezeichnet.
Kronberg ist für die kommenden zwei Wochen wieder einer der wichtigsten Orte für klassische Musik im Rhein-Main-Gebiet. Am Dienstagabend, 22. September, wurde im Casals Forum das Kronberg Festival 2026 eröffnet. Rund 30 Konzerte stehen bis zum 4. Oktober auf dem Programm. Das diesjährige Motto lautet „Courage!“.
Dass damit mehr gemeint ist als musikalischer Mut, zeigte bereits der erste Abend. Im Casals Forum erhielt die venezolanische Pianistin und Komponistin Gabriela Montero den Pablo Casals Award – For a Better World. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt Künstlerinnen und Künstler, die musikalisches Können mit gesellschaftlichem Engagement verbinden.
Montero zählt seit vielen Jahren zu den international bekannten Pianistinnen ihrer Generation. Gleichzeitig äußert sie sich öffentlich zu Menschenrechten, Freiheit und Demokratie in ihrer venezolanischen Heimat. Kunst und gesellschaftliche Verantwortung gehören für sie zusammen.
Überreicht wurde der Preis von Raimund Trenkler, Gründer und Intendant der Kronberg Academy, und Marcus Stollenwerk, geschäftsführender Direktor bei Flossbach von Storch. Die Laudatio hielt die Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler.
Ein Festival über Mut und Haltung
Mit Montero war das Thema des Festivals gleich zum Auftakt ausgesprochen deutlich gesetzt. „Courage!“ fragt danach, welche Rolle Haltung in der Kunst spielen kann und wie sich Mut überhaupt musikalisch ausdrücken lässt.
Dabei geht es in Kronberg keineswegs nur um große Worte. Das Programm verbindet das Thema mit Musik aus unterschiedlichen Epochen, neuen Werken und Uraufführungen. Mal steht das künstlerische Wagnis im Mittelpunkt, mal persönlicher Widerstand, Aufbruch oder Hoffnung.
Eine wichtige Figur im Hintergrund ist dabei Pablo Casals. Der katalanische Cellist verstand Musik nie als von der Gesellschaft losgelösten Raum. Sein humanistisches Denken prägt die Kronberg Academy bis heute. 2026 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.
Internationale Klassik trifft sich im Rhein-Main-Gebiet
Schon die Liste der Gäste zeigt, welchen Stellenwert das Festival inzwischen erreicht hat. Am zweiten Festivaltag ist das Youth Symphony Orchestra of Ukraine unter Oksana Lyniv gemeinsam mit Johannes Moser und Thomas Hampson zu erleben.
In den folgenden Tagen kommen unter anderem Gidon Kremer und die Kremerata Baltica, Sir András Schiff und das Chamber Orchestra of Europe, Janine Jansen, das Jerusalem Quartet, das Stegreif Orchester und Fazıl Say nach Kronberg.
Damit wird die kleine Taunusstadt für knapp zwei Wochen zu einem Treffpunkt der internationalen Klassikwelt. Zentrum ist das Casals Forum, dessen Konzertsaal seit seiner Eröffnung nicht nur wegen seiner Architektur, sondern vor allem wegen seiner Akustik Aufmerksamkeit weit über die Region hinaus gefunden hat. Gespielt wird darüber hinaus an weiteren Orten in Kronberg.
Meisterkurse öffnen sich für das Publikum
Ein besonderer Teil des Festivals sind die öffentlichen Cello-Meisterkurse vom 25. bis 30. September. Frans Helmerson, Gary Hoffman, Jens Peter Maintz, Ildikó Szabó und Wolfgang Emanuel Schmidt arbeiten dort mit jungen Cellistinnen und Cellisten aus verschiedenen Ländern.
Das Publikum kann dabei erleben, was bei Konzerten meist verborgen bleibt: wie an Interpretation, Klang und musikalischem Ausdruck gearbeitet wird. Ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentieren sich anschließend in zwei Abschlusskonzerten.
Vom 29. September bis 2. Oktober kommt mit der Geigenbau Biennale ein weiterer Schwerpunkt hinzu. Internationale Geigenbauer, Bogenmacher und Saitenhersteller treffen sich dafür in der Kronberger Stadthalle.
Nicht nur Konzerte
Das Festival beschränkt sich bewusst nicht auf den Konzertsaal. Lesungen, Gespräche, Workshops und weitere Formate greifen das Thema „Courage!“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf. Im Gesprächsformat „Casourage“ steht etwa Pablo Casals als Künstler und Mensch im Mittelpunkt.
So beginnt das Kronberg Festival 2026 mit einer Frage, die weit über klassische Musik hinausreicht: Welche Verantwortung trägt Kunst in ihrer Zeit?
Bis zum 4. Oktober gibt Kronberg darauf keine einfache Antwort. Aber reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken und vor allem zuzuhören.
Kronberg Festival 2026 „Courage!“
22. September bis 4. Oktober 2026
Casals Forum und weitere Spielstätten in Kronberg im Taunus












