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Römisches Lager unter dem Bolongarogarten entdeckt

18.03.2026 | 14:41 Uhr | Frankfurt
Römisches Lager unter dem Bolongarogarten entdeckt

Ein Hauch von römischer Geschichte liegt über dem Höchster Bolongarogarten. Bei Ausgrabungen im Zuge der Sanierung des Bolongaropalasts hat die Frankfurter Bodendenkmalpflege Überreste eines frührömischen Militärlagers freigelegt und damit einen Fund von überregionaler Bedeutung gemacht.

Unter den Gartenflächen, die bislang vor allem als Teil einer barocken Anlage wahrgenommen wurden, kamen Spuren eines Lagers aus der Zeit um die Zeitenwende zutage. Es handelt sich nach Angaben der Stadt um das bislang älteste bekannte römische Lager im heutigen Frankfurter Stadtgebiet. Die Funde erlauben neue Einblicke in die frühe Phase römischer Präsenz am Main.

Zu den geborgenen Objekten zählen neben Alltagsgegenständen auch Luxusgüter. Münzen aus dem Gebiet des heutigen Frankreichs und Belgiens sowie Keramik aus Südgallien zeugen von weitreichenden Handelsverbindungen und einer gut organisierten Versorgung. Zugleich liefern sie Hinweise auf die Struktur und Funktionsweise der frühen Kastelle.

Oberbürgermeister Mike Josef sprach bei der Vorstellung der Funde am Mittwoch von einem „einzigartigen Zeitzeugnis“. Die Entdeckung ermögliche es, sowohl die Ausdehnung des Römischen Reiches in der Region als auch ein frühes Kapitel der Frankfurter Stadtgeschichte nachzuvollziehen. Er verwies zudem auf die enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ämtern, die den Erfolg der Grabungen erst ermöglicht habe.

Seit 2016 begleitet die Bodendenkmalpflege die umfangreichen Bauarbeiten rund um den Palast. Die Eingriffe in den Boden wurden systematisch archäologisch untersucht. In dem dicht bebauten Stadtteil Höchst sei es ein Glücksfall, überhaupt eine so bedeutende Fundstelle erschließen zu können.

Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei nicht nur die Existenz des Lagers, sondern auch die Art der römischen Präsenz. Hinweise auf gewaltsame Auseinandersetzungen fehlen bislang. Stattdessen deuten Funde einheimischer Keramik und veränderte Essgewohnheiten auf Kontakte und Austausch zwischen Römern und der lokalen Bevölkerung hin. Die Leiterin des Denkmalamts, Andrea Hampel, sieht darin Anlass, das Bild der römischen Expansion zu differenzieren. Der erste Kontakt sei womöglich weniger von Konflikten als von Neugier und Kooperation geprägt gewesen.

Archäologisch sind frühe römische Lager selten so gut fassbar. Sie bestanden oft nur für kurze Zeit und hinterließen kaum datierbare Spuren. Das Lager in Höchst stellt insofern eine Ausnahme dar. Offenbar nutzten die Römer den strategisch günstig gelegenen Ort über mehrere Jahre hinweg. Die Nähe zu Main und Nidda, eine erhöhte Lage sowie die Anbindung an wichtige Verkehrswege machten den Standort attraktiv. Stationiert waren dort sowohl Legionäre als auch Auxiliartruppen.

Die Ausgrabungen werden unter der Leitung der Archäologin Elke Sichert sowie der Grabungstechniker Denis Neumann und Rolf Skrypzak durchgeführt. Weitere Untersuchungen im Zuge der Gartengestaltung sind geplant und könnten das Bild der frühen römischen Präsenz in Frankfurt weiter schärfen.

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