Am östlichen Rand des Rhein-Main-Gebiets verlief einst die Grenze des Römischen Reiches. Eine digitale Zeitreise macht ihre Geschichte nun an drei Orten sichtbar. Dafür braucht es keine App, sondern nur ein Smartphone und etwas Neugier.
Wer heute durch den Wald bei Limeshain geht oder am Mainufer in Großkrotzenburg steht, muss schon genauer hinsehen, um sich das Leben vor fast 2.000 Jahren vorzustellen. Der Limes ist vielerorts kein Bauwerk, das sich den Besuchern sofort aufdrängt. Oft sind es Mauerreste, Spuren im Gelände oder historische Zusammenhänge, die erst erklärt werden müssen.
Genau hier setzt die „Regionalpark Zeitreise“ an. An drei Stationen entlang der Limesroute erscheinen römische Gebäude und Figuren über die Kamera des Smartphones in der heutigen Landschaft. Augmented Reality nennt sich die Technik. Das klingt zunächst nach digitalem Spielzeug, erfüllt hier aber einen erfreulich konkreten Zweck: Sie zeigt, was an diesen Orten einmal war.
Drei Orte, drei Geschichten
Jede Station widmet sich einem anderen Teil des römischen Lebens. In Limeshain empfängt der Soldat Lucius die Besucher an einem originalgetreu nachgebauten Wachtturm. Er erzählt vom Alltag an der Grenze, von der Verpflegung der Soldaten und von der Frage, was geschah, wenn tatsächlich Gefahr drohte.
In Erlensee-Rückingen führt die Reise in ein römisches Kastellbad. Dort begegnet man Felix, einem jungen Sklaven. Während kleiner Aufgaben erfährt man, wie ein solches Badehaus beheizt wurde, welche Arbeiten dort anfielen und weshalb die Thermen weit mehr waren als bloße Orte der Körperpflege.
Die dritte Station liegt in Großkrotzenburg. Am Main befand sich in römischer Zeit ein wichtiger Hafen. Kapitän Marcus erklärt, welche Waren auf dem Fluss transportiert wurden, wie man Lastkähne fortbewegte und auf welchem Weg die Ladung anschließend ins Hinterland gelangte. Der Main erscheint dabei nicht nur als vertrauter Fluss der Region, sondern als alte Verkehrsader mit erstaunlich langer Geschichte.
Geschichte am richtigen Ort
Der Reiz des Angebots liegt weniger in technischen Effekten als in der Verbindung von Erzählung und Schauplatz. Ein römisches Kastellbad auf einem Bildschirm zu sehen, ist das eine. Es genau dort zu betrachten, wo es einst stand, ist etwas anderes. Die gegenwärtige Landschaft bleibt sichtbar, während die Rekonstruktion darübergelegt wird. Vergangenheit und Gegenwart stehen für einen Moment nebeneinander.
Das hilft besonders dort, wo archäologische Überreste allein nur wenig preisgeben. Aus Grundmauern wird ein Gebäude, aus einem Uferabschnitt ein Hafen, aus einem stillen Waldstück ein militärischer Grenzposten. Kleine Aufgaben und Fragen führen durch die einzelnen Geschichten. Zum Abschluss gibt es die Möglichkeit, ein Erinnerungsfoto mit einem digitalen Römerhelm aufzunehmen.
Angenehm ist, dass die Technik keine große Vorbereitung verlangt. An jeder Station steht eine weiße Stele mit Informationen und einem QR-Code. Nach dem Scannen startet die Anwendung direkt im Browser. Eine zusätzliche App muss nicht installiert werden. Benötigt werden lediglich ein Smartphone oder Tablet sowie die Erlaubnis für den Zugriff auf die Kamera.
Ein Ausflug mit mehreren Möglichkeiten
Die drei Stationen lassen sich einzeln besuchen oder mit einer Tour entlang der Regionalpark Limesroute verbinden. Diese führt über rund 43 Kilometer von Großkrotzenburg bis nach Echzell und folgt damit einem Abschnitt des Obergermanisch-Raetischen Limes. Die einstige Grenze zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Stammesgebieten gehört heute zum UNESCO-Welterbe.
Für Familien bietet die digitale Zeitreise einen leichten Zugang zu einem Thema, das auf Informationstafeln schnell trocken wirken kann. Doch auch Erwachsene dürften einiges erfahren, das im Geschichtsunterricht keinen Platz gefunden hat. Etwa, wie aufwendig ein römisches Bad beheizt wurde oder welche Rolle der Main für Handel und Versorgung spielte.
Die Technik drängt sich dabei nicht in den Vordergrund. Sie dient vor allem als Übersetzerin zwischen dem, was heute noch zu sehen ist, und dem, was man ohne archäologische Kenntnisse kaum erkennen würde. Das ist klug gemacht und ein guter Anlass, den Frankfurter Osten einmal ein wenig weiter zu erkunden.
Weitere Informationen zu den Stationen und zum Start der Anwendung gibt es auf der Seite des Regionalparks RheinMain.












