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Das ist die Impfstrategie für Hessen

23.11.2020 | 16:14 Uhr | Service
Das ist die Impfstrategie für Hessen

Noch gibt es viele offene Fragen: Wann wird der erste Impfstoff gegen das Coronavirus in Deutschland zugelassen? Wann kann mit den ersten Impfungen begonnen werden? Wer wird zuerst geimpft? Und wo kann man sich zukünftig impfen lassen? Ganz sicher ist dabei noch nichts – aber es sieht gut aus. Und da man auf alle Eventualitäten – etwa auf einen Impfstart bereits im Dezember – vorbereitet sein will, haben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Sozialminister Kai Klose und Innenminister Peter Beuth heute die hessische Impfstrategie vorgestellt. 

Dabei wird klar: Die Zeichen stehen trotz der großen Herausforderungen, die das Virus momentan an uns stellt, auf Optimismus. So geht der Bund derzeit davon aus, dass er ab etwa Mitte Dezember 2020 einen ersten Impfstoff gegen das Corona-Virus bereitstellen kann. Das sind nur noch wenige Wochen, da besteht natürlich schnellstens Handlungsbedarf, kurzfristig die für die Durchführung der erforderlichen millionenfachen Impfung in Hessen notwendige Infrastruktur zu schaffen. Denn die Impfungen sind eine Mammutaufgabe, die sich über Monate hinziehen wird. 

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier erklärte dazu auf der Pressekonferenz: „Hessen bereitet sich mit Hochdruck auf die Impfung von rund 4 Millionen Menschen vor. Nach vorherrschender Expertenmeinung ist eine Impfquote von etwa 60 Prozent notwendig, um der Pandemie wirkungsvoll begegnen zu können. Wir bereiten uns bestmöglich auf den Zeitpunkt vor, zu dem ein Impfstoff zugelassen wird, um dann die Mammutaufgabe dieser riesigen logistischen Herausforderung effizient zu stemmen. Sobald der Bund die Impfstoffe geliefert hat, werden die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich möglichst wohnortnah impfen zu lassen. Je mehr Menschen mitmachen, desto erfolgreicher und schneller können wir die Pandemie bezwingen. Die Bevölkerung in unserem Land auch mit einem Impfstoff vor dem Virus zu schützen, ist eine Aufgabe von nationaler Bedeutung.“ Bouffier betonte zugleich, dass dieser „Lichtstreif am Horizont“ nicht davon ablenken dürfe, dass die Infektionszahlen aktuell immer noch zu hoch seien und sich weiterhin alle diszipliniert an die je geltenden Maßnahmen halten müssten. 

Der Krisenstab der Hessischen Landesregierung hat die Kreise und kreisfreien Städte mit ihren Gesundheitsämtern und unteren Katastrophenschutzbehörden beauftragt, landesweit Impfzentren einzurichten. Mindestens ein Anlaufpunkt soll pro Landkreis und kreisfreier Stadt in Hessen mit Unterstützung der hessischen Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr zur Verfügung gestellt werden. 

„Die Impfung ist ein freiwilliges Angebot" 

Sozial- und Integrationsminister Kai Klose unterstrich noch einmal, dass nicht sofort Impfdosen für alle zur Verfügung stehen können. „Deshalb richten wir uns nach der Nationalen Impfstrategie, indem wir Impfzentren einrichten und dann gezielt Personengruppen impfen, Schritt für Schritt“, so Klose. „Zu den vorrangig zu impfenden Gruppen gehören Menschen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustands ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf aufweisen, dann beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von stationären bzw. ambulanten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Altenpflege“, fasste der Minister zusammen. Solange nicht ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung verfügbar ist, werden die Impfungen auf Basis der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrats sowie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina priorisiert an die zuvor von der Bundesregierung bestimmten Zielgruppen ausgegeben. 

Angesichts stetiger Proteste und Verschwörungstheorien betonte Klose auch noch einmal: „Die Impfung ist ein freiwilliges Angebot, das seine Wirkung dann voll entfalten kann, wenn möglichst viele Menschen das Angebot annehmen. Je mehr Bürgerinnen und Bürger gegen die Ansteckung mit dem Corona-Virus geimpft sind, desto weniger Menschen werden an dieser tückischen Infektionskrankheit sterben. Für die Frauen und Männer im Gesundheitssektor bedeutet die Umsetzung der nationalen Impfstrategie einen weiteren großen Kraftakt über einen langen Zeitraum. Zur Unterstützung dieser wichtigen Aufgabe und Koordination aller Fragen rund um die Impfung gegen Corona haben wir eine eigene Task Force im Krisenstab der Landesregierung eingesetzt, die allen Partnern zur Verfügung steht.“ 

Ca. 1.000 Impfungen pro Tag 

„Die landesweiten Impfzentren werden Anlaufpunkte für mehrere Millionen Hessinnen und Hessen sein. Damit die größte Impfaktion in der Geschichte unseres Landes gelingen kann, sind umfangreiche logistische und organisatorische Vorbereitungen notwendig, mit denen wir heute in die konkrete Umsetzung gehen. Die Landkreise und kreisfreien Städte in Hessen werden beim Aufbau der Impfzentren von den ehrenamtlichen Kräften der Katastrophenschutzeinheiten unterstützt. Wir sind den Frauen und Männern der Hilfsorganisationen für ihre große Einsatzbereitschaft im Kampf gegen Corona sehr dankbar“, sagte der Hessische Innenminister Peter Beuth. 

Um die Impfungen effizient durchführen zu können, soll an sieben Tagen in der Woche geimpft werden. In den Zentren sollen jeweils Impfungen in einer Größenordnung von ca. 1.000 pro Tag durchgeführt werden. „Damit alles strukturiert und geordnet abläuft, werden die Menschen zu den Impfungen eingeladen und über den genauen Ablauf vor Ort informiert“, gab Sozial- und Integrationsminister Klose an. Die umfassende Information, Begleitung und medizinische Betreuung rund um die Impfung seien von größter Bedeutung. „Wir möchten, dass alle, die sich impfen lassen wissen, dass sie bestmöglich begleitet werden“, unterstrich er. 

Terminkoordinierung und Dokumentation durch eine IT-Lösung 

Medizinisches Fachpersonal solle über externe Dienstleister (z.B. Deutsches Rotes Kreuz) und über die Kassenärztliche Vereinigung oder die Landesärztekammer gewonnen werden. Die Bereitschaft der Ärzte ist zentral für das Gelingen dieser großangelegten Impfaktion, denn der eigentlichen Impfung ist immer ein Impfgespräch vorgeschaltet. Die KV Hessen ist zuversichtlich, was die Rekrutierung des Personals anbelangt. Wie bei der ersten Welle der Corona-Pandemie sollen bspw. auch Ärztinnen und Ärzte gewonnen werden, die bereits im Ruhestand sind. Das Land trägt dafür Sorge, dass der Impfstoff in den Zentren zur Verfügung steht, beschafft zudem Material wie Spritzen, Kanülen, Tupfer und Pflaster und die Schutzausrüstung für das medizinische Personal. Die Terminkoordinierung und die Dokumentation der Impfungen vor Ort wird durch eine IT-Lösung gewährleistet. 

Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik bestand die Notwendigkeit, so viele Menschen vor einer Infektionskrankheit zu schützen, wie bei der Bedrohung durch das Corona-Virus. Die Bundesregierung hat daher eine „Nationale Impfstrategie COVID-19“ beschlossen und wird die entsprechenden Impfstoffe nach ihrer Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut zur Verfügung stellen. Den Bundesländern obliegt es, dafür Sorge zu tragen, dass der schützende Impfstoff dort ankommt, wo er benötigt wird: vor Ort in den Kommunen.

Krisenstabs aus mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingerichtet 

Die Hessische Landesregierung hat zur Organisation der aufwändigen Logistik und zur Unterstützung der Landkreise und kreisfreien Städte in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) und den Kommunalen Spitzenverbänden die Task Force Impfkoordination (TFI) des Krisenstabs eingerichtet. Die Einheit besteht aus mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landesverwaltung sowie weiteren Experten aus dem Gesundheitssektor und dem Katastrophenschutz.  Dem Aufbau der regionalen Impfzentren sind zahlreiche Gespräche der Task Force mit dem für die nationale Impfstrategie zuständigen Bund, den Landkreisen, Städten und Gemeinden sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und der Landesärztekammer vorausgegangen. 

Sobald Impfstoffe gegen das Corona-Virus verfügbar sind, sollen diese – gemäß der Priorisierung des Bundes – schnellstmöglich auch in Hessen zum Einsatz kommen, um die Bürgerinnen und Bürger vor einer Infektion zu schützen. Die TFI hat den Gesundheitsämtern und unteren Katastrophenschutzbehörden der Kommunen darüber hinaus umfangreiche Informationen und Hinweise zum Aufbau und Betrieb der kommunalen Anlaufstellen übermittelt. Sie werden nun in enger Abstimmung mit der Task Force landesweit aufgebaut.

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