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Frankfurt würdigt die Geschichte der Sinti und Roma

27.01.2026 | 16:26 Uhr | Frankfurt
Frankfurt würdigt die Geschichte der Sinti und Roma

Mit einer Gedenktafel am Stadthaus am Dom erinnert die Stadt an den ersten urkundlichen Nachweis von Sinti in Frankfurt aus dem Jahr 1417.

Es sind nur zwei Sätze, doch sie tragen ein erhebliches historisches Gewicht. Mit einer Gedenktafel an der Außenfassade des Stadthauses am Dom erinnert die Stadt Frankfurt am Main seit Dienstag an den ersten urkundlichen Nachweis von Sinti in der Stadt aus dem Jahr 1417. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg enthüllte die Plakette gemeinsam mit Romani Rose, dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Gestaltet wurde sie von dem Bildhauer Professor Jürgen Goertz; neben dem Text sind auch Symbole der Kultur von Sinti und Roma zu sehen.

Mit der Anbringung der Tafel erfüllt die Stadt einen seit Langem von Verbänden der Sinti und Roma geäußerten Wunsch, ihre über 600-jährige Geschichte im Stadtbild sichtbar zu machen. An der Enthüllung nahmen unter anderem Fatima Stieb vom Landesverband Sinti und Roma Hessen, Joachim Brenner, Vorsitzender des Fördervereins Roma, sowie Michael Weber, Vorsteher des Ortsbeirats 1, teil. Die musikalische Umrahmung übernahm das Philharmonische Orchester der Sinti und Roma.

Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg verwies darauf, dass der sachliche Wortlaut der Tafel bei näherer Betrachtung eine weitreichende gesellschaftliche Bedeutung habe. Er erinnere daran, dass Sinti seit dem Jahr 1417 Teil der Stadtgesellschaft seien – als Musiker, Handwerker, Künstler, Nachbarn und Mitbürgerinnen und Mitbürger. Sinti und Roma seien seit Jahrhunderten fester Bestandteil zentraler Orte des Frankfurter Stadtlebens.

Romani Rose erinnerte in seiner Rede daran, dass Sinti bei ihrer Ankunft im 15. Jahrhundert auf Grundlage eines päpstlichen Begleitbriefs zunächst freundlich aufgenommen worden seien. Diese Haltung habe sich jedoch rasch gewandelt. Bereits 1498 sei die Minderheit für vogelfrei erklärt worden, verbunden mit Aufenthaltsverboten und der Verdrängung außerhalb der Stadtmauern. Sowohl Sinti als auch Juden hätten als Heiden gegolten und seien gesellschaftlicher Ausgrenzung ausgesetzt gewesen. Die Folgen dieses tief verwurzelten Antiziganismus reichten bis in die Gegenwart.

Der Nationalsozialismus habe diese Ausgrenzung schließlich in der Ermordung von rund 500.000 Sinti und Roma münden lassen, sagte Rose. Mit der Anbringung der Gedenktafel setze Frankfurt ein weiteres Zeichen der Verantwortung und erkenne die 600-jährige Geschichte der Minderheit in der Stadt an. Es sei ein Ausdruck des Respekts, der lange verweigert worden sei.

Auch der Ortsbeirat habe mit der Initiative ein klares Signal senden wollen, sagte dessen Vorsteher Michael Weber: Sinti und Roma gehörten zur Stadt. Joachim Brenner erinnerte zugleich an frühere Auseinandersetzungen um Formen des Gedenkens und sprach von einem Wandel im Umgang der Stadt mit diesem Teil ihrer Geschichte.

Die Enthüllung der Gedenktafel war eingebettet in ein mehrstündiges Programm mit Reden, Musik und einer Filmvorführung im Stadthaus. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm „Der lange Weg der Sinti und Roma“ von Adrian Oeser, der sich mit der Verfolgung und Ermordung der Minderheit sowie mit fortbestehendem Rassismus auseinandersetzt. In einer anschließenden Diskussion berichteten Gianni Jovanovic und Jùlie Halilic über ihre Erfahrungen.

Ein QR-Code unterhalb der Tafel verweist auf weiterführende Informationen. Die Gedenktafel markiert damit einen Ort der Erinnerung im Herzen der Stadt und macht eine Geschichte sichtbar, die lange im öffentlichen Raum fehlte.

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