Der erste Frankfurter „Tatort“ mit dem neuen Ermittlerduo Maryam Azadi und Hamza Kulina ist mit dem Grimme-Preis 2026 in der Kategorie Fiktion ausgezeichnet worden. Die Produktion „Dunkelheit“ mit Melika Foroutan und Edin Hasanovic überzeugte die Jury insbesondere durch ihren ungewöhnlichen Blick auf das Genre: Im Mittelpunkt stehen nicht Täter und Ermittlungsarbeit, sondern die Opfer und ihre Angehörigen.
Die Jury würdigte, dass der Film den Opfern einer Mordserie „ein Gesicht und eine Geschichte“ gebe und ihnen damit eine Würde zurückverleihe, „die ihnen der Standardkrimi allzu häufig vorenthält“. Auch das präzise konstruierte Drehbuch und die zurückhaltende Inszenierung wurden hervorgehoben. Zugleich mache der Film neugierig auf weitere Fälle des Ermittlerduos, das von Foroutan und Hasanovic „exzellent“ verkörpert werde.
Die Auszeichnung wird am 24. April in Marl überreicht. Geehrt werden neben den beiden Hauptdarstellern auch Regisseur und Co-Drehbuchautor Stefan Schaller sowie die Drehbuchautoren Senad Halilbasic und Erol Yesilkaya.
Foroutan erklärte, die Entscheidung, den Opfern eines Serienmörders und ihren Hinterbliebenen Raum zu geben, sei bewusst getroffen worden. In einer Zeit globaler Krisen und Kriege drohe das individuelle Leid hinter großen Zahlen zu verschwinden. Kunst könne dazu beitragen, Empathie zu bewahren und jedes einzelne Leben zu würdigen.
Auch Hasanovic hob die besondere Resonanz hervor, die der Film beim Publikum ausgelöst habe. Dass „Dunkelheit“ nun auch von der Kritik ausgezeichnet werde, sei eine besondere Bestätigung. Die Verbindung aus Zuschauererfolg und Anerkennung durch Fachjurys sei selten.
Regisseur Stefan Schaller beschrieb den Film als bewusste Auseinandersetzung mit dem True-Crime-Genre. Obwohl der Krimi eine ungeklärte Mordserie erzählt, richte sich der Blick auf die persönlichen Geschichten der Opfer und ihrer Familien. Diese Perspektive sei für einen „Tatort“ ungewöhnlich gewesen.
„Dunkelheit“ basiert lose auf einem realen Fall aus dem Rhein-Main-Gebiet. Der Film erzählt von einem Serienmörder, der über Jahre hinweg ein nahezu perfektes Doppelleben geführt haben soll. Seine Premiere im Ersten feierte der Krimi im Oktober 2025.
Für den Hessischen Rundfunk, der gemeinsam mit der ARD Degeto und der Sommerhaus Filmproduktion hinter der Produktion steht, markiert die Auszeichnung auch einen erfolgreichen Start des neu aufgestellten Frankfurter „Tatort“. Die Reihe setzt mit dem Ermittlerduo Azadi und Kulina verstärkt auf ungelöste Altfälle, sogenannte Cold Cases.
Die nächste Folge aus Frankfurt steht bereits bevor: Der „Tatort“ mit dem Titel „Fackel“ wird am Sonntag, dem 22. März, um 20.20 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
Auch über weitere Grimme-Auszeichnungen kann sich der Hessische Rundfunk freuen. So erhielt die Koproduktion „Der talentierte Mr. F. – Die Jagd auf einen Filmdieb“ einen Spezialpreis in der Kategorie Kinder und Jugend. Ebenfalls prämiert wurde der Familienfilm „Grüße vom Mars“, der die Geschichte eines Jungen im Autismus-Spektrum erzählt.












