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Zwischen Wildschweinborsten und Weltstadt: Wer rettet Frankfurts Bürstenhaus?

07.05.2026 | 07:23 Uhr | Shopping
Zwischen Wildschweinborsten und Weltstadt: Wer rettet Frankfurts Bürstenhaus?

Zwischen Modeketten, Filialisten und Schnellgastronomie gibt es in der Frankfurter Innenstadt noch Orte, die sich dem Tempo der Zeit beharrlich entziehen. Einer davon liegt in der Töngesgasse 27. Schon beim Betreten des kleinen Ladens steigt einem der Duft von Seifen, Holz und Naturfasern entgegen. Hinter dicht gefüllten Regalen hängen Schuhbürsten, Handfeger, Rasierpinsel und Besen aller Art. Das „Bürstenhaus“ von Angelika Kleine wirkt wie ein Geschäft aus einer anderen Epoche – und genau das macht seinen Reiz aus.

Seit fast einem Jahrhundert existiert das Fachgeschäft bereits. Gegründet wurde es im Jahr 1926, zunächst in der Stiftstraße, später zog das Bürstenhaus in die Töngesgasse um. Heute gehört es zu den wenigen verbliebenen Spezialgeschäften dieser Art in Frankfurt. Doch die Zukunft ist offen: Inhaberin Angelika Kleine sucht eine Nachfolge.

„Nachhaltigkeit und Qualität zeichnen unsere über 1200 Produkte aus“, heißt es im offiziellen Nachfolgegesuch. Tatsächlich scheint im Bürstenhaus vieles aus der Zeit gefallen – im besten Sinne. Verkauft werden Produkte, die andernorts längst aus den Sortimenten verschwunden sind: handgefertigte Haarbürsten mit Wildschweinborsten, klassische Rasierpinsel, Hutbürsten, Schuhputzsets oder Schrankbesen aus Naturhaar. Viele Waren stammen von kleinen europäischen Manufakturen, mit denen teils seit Jahrzehnten zusammengearbeitet wird.

Die Kundschaft ist entsprechend vielfältig. Stammkunden kommen seit Jahren oder gar Generationen hierher, gleichzeitig entdecken jüngere Menschen das Geschäft neu – oft aus einem wachsenden Interesse an langlebigen, nachhaltigen Produkten. In Zeiten von Wegwerfartikeln und Onlinehandel wirkt das Bürstenhaus beinahe wie ein Gegenentwurf zum modernen Konsum.

Dabei lebt das Geschäft nicht allein vom Sortiment, sondern vor allem von Beratung und Atmosphäre. Auf der Website beschreibt das Bürstenhaus den ersten Eindruck so: „Mmmhh, das riecht aber gut hier.“ Tatsächlich erinnert vieles eher an eine kleine Werkstatt oder ein altes Kolonialwarengeschäft als an einen typischen Laden der Innenstadt.

Auch kuriose Produkte gehören zur Geschichte des Hauses. Besonders bekannt ist etwa die sogenannte „Römerbürste“, ein Schuhbürstenset in Form des Frankfurter Römers. Entstanden sei die Idee einst bei einem geselligen „Schobbeabend“, erzählt ein Beitrag des Podcasts „Damals in Frankfurt“.

Nun sucht Angelika Kleine jemanden, der die Tradition fortführt. Gefragt seien nicht zwingend Branchenkenntnisse, sondern vielmehr Unternehmergeist, Offenheit und die Bereitschaft, ein besonderes Stück Frankfurter Einzelhandelskultur zu bewahren. Denkbar seien auch Quereinsteiger, heißt es.

Die Rahmenbedingungen sind vergleichsweise überschaubar: Das Geschäft umfasst rund 40 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Lager und Büro. Eine Einarbeitung durch die Inhaberin ist möglich. Der Übergang soll bis spätestens Ende 2026 erfolgen.

Dass ein solcher Laden überhaupt noch existiert, erscheint vielen bereits bemerkenswert. In einer Innenstadt, deren Gesicht sich immer schneller verändert, ist das Bürstenhaus mehr als nur ein Geschäft. Es ist ein Stück Alltagsgeschichte – und vielleicht einer der letzten Orte, an denen man noch erfährt, dass es für nahezu jeden Zweck die passende Bürste gibt.

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