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Senckenberg Naturmuseum: Neue Sonderausstellung „Sargassum – Fluch und Segen“

20.04.2026 | 10:35 Uhr | Museen und Kunst
Senckenberg Naturmuseum: Neue Sonderausstellung 'Sargassum – Fluch und Segen'

Im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum widmet sich eine neue Sonderausstellung einem Phänomen, das zugleich Lebensraum und Bedrohung ist. Vom 27. März bis zum 18. Oktober 2026 steht dort die Braunalge Sargassum im Mittelpunkt – eine Erscheinung, die seit Jahren die Küsten der Karibik prägt und die Forschung vor neue Fragen stellt.

Auf hoher See gilt Sargassum als Ausnahme im offenen Ozean: ein frei treibendes Geflecht, das wie ein schwimmender Wald wirkt. Mehr als hundert Fischarten und zahlreiche wirbellose Organismen finden hier Schutz, Nahrung und Laichplätze. Die Alge bildet damit eines der produktivsten Ökosysteme der Meere. Doch was im Atlantik als Refugium dient, wird an Land zum Problem.

Seit etwa 2011 erreichen ungewöhnlich große Mengen die Küstenregionen der Karibik und des Golfs von Mexiko. Dort werden die dichten Teppiche zur ökologischen Last. Beim Zersetzen entziehen sie dem Wasser Sauerstoff, verändern chemische Parameter und schaffen Bedingungen, unter denen Korallen, Fische und andere Meerestiere kaum überleben. Auch Meeresschildkröten werden in ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt, während Tourismus und lokale Wirtschaft unter den angespülten Massen leiden.

Die Ausstellung zeichnet diese Ambivalenz nach. Im Zentrum steht der Film „Beyond Sargassum“, der Forschende an die mexikanische Karibikküste begleitet. Ergänzt wird er durch Originalexponate und Modelle, die die Vielfalt der Organismen im Lebensraum Sargassum veranschaulichen.

Der Meeresforscher Torben Riehl vom Senckenberg Institut spricht von einem der widersprüchlichsten Systeme im Ozean. Die Mitkuratorin Laura Otto, Juniorprofessorin in Würzburg, verweist zugleich auf die sozialen Dimensionen: In den betroffenen Regionen entstehen unterschiedliche Strategien im Umgang mit den Algenmassen – zwischen Nutzung, Eindämmung und Anpassung.

Die Schau ist Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts, das ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Fragen zusammenführt. Ein Begleitprogramm vertieft die Perspektiven und bindet aktuelle Forschung ein.

So entsteht ein Bild, das sich einfachen Urteilen entzieht: Sargassum ist weder bloß Plage noch Ressource, sondern Ausdruck komplexer Veränderungen im globalen Ozean.

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