Das Kronberg Festival versammelt vom 22. September bis 4. Oktober 2026 internationale Solisten und junge Musiker im Taunus. Sein Mittelpunkt ist das Casals Forum, ein besonderer Schatz in der Metropolregion Rhein-Main. Über einem Programm voller Entdeckungen steht in diesem Jahr das Wort „Courage“.
Die kulturelle Landkarte einer Region hält sich selten an deren Stadtgrenzen. Wer in Rhein-Main nach bedeutenden Konzertorten sucht, tut deshalb gut daran, den Blick über Frankfurt hinaus zu richten. Nach Kronberg etwa. Die Taunusstadt besitzt mit dem Casals Forum einen Saal, in dem sich eine bemerkenswerte musikalische Öffentlichkeit versammelt. Das diesjährige Kronberg Festival bietet vom 22. September bis 4. Oktober reichlich Gelegenheit, diesen Ort kennenzulernen. Rund 30 Konzerte stehen unter dem Motto „Courage!“. Programm des Kronberg Festivals
Schon das Gebäude verdient Aufmerksamkeit. Das von Staab Architekten entworfene Casals Forum öffnet sich mit seiner gläsernen Fassade zum Victoria-Park. Im Inneren liegt ein holzverkleideter Konzertsaal mit 550 Plätzen. Seine geschwungenen Wände folgen akustischen Überlegungen, an denen der Akustiker Martijn Vercammen von Beginn an beteiligt war. Der Raum ist auf Kammermusik ausgerichtet, auf das feine Verhältnis zwischen einzelnen Stimmen und gemeinsamem Klang. Auch die Nähe zwischen Bühne und Publikum gehört zu diesem Entwurf. Architektur und Akustik des Casals Forums
Darin liegt eine Qualität, die sich durch repräsentative Größe kaum ersetzen lässt. Kammermusik lebt davon, dass man musikalische Entscheidungen verfolgen kann: eine zurückgenommene Phrase, einen Einsatz, die Antwort eines anderen Instruments. Ein Saal, der diese Aufmerksamkeit begünstigt, ist für eine Region ein beträchtlicher Gewinn. Das Casals Forum ist ein solcher Schatz in Rhein-Main. Für Musikfreunde gehört Kronberg damit ganz selbstverständlich auf die Karte. Für alle anderen lohnt sich die Entdeckung.
Das Festivalmotto verweist auf den Namensgeber des Hauses. Pablo Casals wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Ihm gilt auch das Konzert „Für Casals“ am 25. September, bei dem unter anderem seine „Rêverie“ erklingt. Der Cellist wird also auch als Komponist gegenwärtig. Eine Ausstellung widmet sich während des Festivals seinem Leben und Wirken. Zum Casals-Jubiläum in Kronberg
Was ein Begriff wie Courage in einem Konzertprogramm bedeuten kann, lässt sich besonders am 23. September erahnen. Oksana Lyniv dirigiert das Youth Symphony Orchestra of Ukraine in zwei Konzerten. Mit Johannes Moser stehen zunächst Lalos Cellokonzert und Mozarts „Jupiter“-Sinfonie auf dem Programm. Später singt Thomas Hampson Lieder aus Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“; hinzu kommen Griegs „Peer-Gynt-Suiten“ und eine Uraufführung von Yuri Laniuk. Die Frage nach den Bedingungen, unter denen junge Menschen heute Musik machen, dürfte an diesem Abend kaum abstrakt bleiben. Zum Festivalprogramm
Andere Konzerte suchen den Mut im musikalischen Versuch. „Zeitsprung“ heißt das Programm am 26. September mit Avi Avital, Wolfgang Emanuel Schmidt und der Kremerata Baltica unter Christian Jost. Bachs erstes Klavierkonzert erklingt hier in einer Fassung für Mandoline und Streicher. Eine vertraute Komposition erhält eine andere Klanggestalt, ihre Linien treten unter veränderten Bedingungen hervor. Daneben stehen Heinrich Bibers „Battalia“ und die Uraufführung von Josts „Seasons“ für Violoncello und Streichorchester. Zwischen den Werken liegen Jahrhunderte. Was sie einander zu sagen haben, wird im Konzert zu hören sein. Zum Konzert „Zeitsprung“
Am 4. Oktober ist Fazıl Say mit Les Essences und dem Geiger und Leiter Önder Baloglu zu Gast. „From Istanbul with love“ verbindet Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 414 mit Says „Chamber Symphony“, Baloglus „Der goldene Kater Istanbuls“ und einem Intermezzo aus „Tausend und eine Nacht“ von Johann Strauss. Die Zusammenstellung verspricht einen Nachmittag, an dem die persönliche musikalische Herkunft der Beteiligten ebenso zu ihrem Recht kommt wie das europäische Repertoire. Zum Konzert mit Fazıl Say
Wer verstehen möchte, wie eine Interpretation entsteht, kann zudem die öffentlichen Cello-Meisterkurse besuchen. Dort lässt sich verfolgen, wie intensiv an wenigen Takten gearbeitet wird und wie viel sich durch eine kleine Veränderung verschieben kann. Für zwölf Euro gilt die Tageskarte für sämtliche Meisterkurse eines Tages. Jugendliche und Studierende unter 27 Jahren haben freien Eintritt. Es ist ein lohnender Zugang zu einer Kunst, deren fertige Aufführung die vorausgegangene Arbeit gewöhnlich verbirgt. Informationen zu den Meisterkursen
Für einen Besuch braucht es deshalb auch keine lückenlose Kenntnis des Repertoires. Neugier auf einen Klang, ein Instrument oder einen Interpreten genügt als Anfang. In Kronberg findet sie einen ungewöhnlich guten Ort.
Kronberg Festival „Courage!“
22. September bis 4. Oktober 2026
Casals Forum und weitere Spielstätten in Kronberg im Taunus
Das vollständige Programm und Tickets












