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Taubenvergiften im Theater Alte Brücke

13.11.2016 | 11:02 Uhr | Kultur
Taubenvergiften im Theater Alte Brücke

Am Freitag lud das Theater Alte Brücke zu einem ganz besonderen Programm: Mit „Immer wieder Tauben vergiften“ zollten Alexander J. Beck, Sabrina Faber und Franz Fischer dem in Wien geborenen Komponisten, Sänger und Dichter Georg Kreisler absolut würdig Tribut. Der 2011 verstorbene Künstler war für seinen tiefschwarzen Humor, seine hintersinnigen Texte und seine unangepassten Auftritte bekannt. Die bissigsten Lieder und Texte hat das Trio auf der Bühne nun zu einem Kreisler-Abend zusammengestellt, der perfekt ins Theater Alte Brücke passt. Vielseitig, humorvoll, bissig, melancholisch und immer wieder überraschend – das trifft sowohl auf das Programm des kleinen Theaters, wie auch auf die Lieder Kreislers zu.

Herzhaftes Lachen wird von bedrückender Melancholie abgelöst, die dann wiederum durch fröhlichen Zynismus vertrieben wird. Dabei wurden die Lieder nur selten ein klein wenig modernisiert. Das macht deutlich, wie zeitlos gut Kreislers Texte sind und wie treffend seine Gesellschaftskritik auch heute noch ist. Gleichzeitig wird einem aber auch bewusst, wie sehr die Political Correctness uns mittlerweile im Griff hat. Denn bei so manchem Text, der auch schon vor einigen Jahrzehnten böse gewesen sein mag, bleibt einem heute das Lachen wahrlich im Halse stecken und man fragt sich, ob man so etwas überhaupt noch sagen darf – selbst in einem ganz offensichtlich kabarettistischen Rahmen. Doch gerade dadurch wird klar, welche Aktualität in Kreislers Texten steckt, ganz gleich, ob es um Fremdenhass, Zensur oder um die Verdrängung der Gräueltaten des Nazi-Regimes geht.

Das hört sich jetzt nicht wirklich nach einem unterhaltsamen Abend an. Doch auch wenn es einige wirklich bedrückende Momente gibt, so wird doch immer dann, kurz bevor die Stimmung ganz nach unten gezogen wird, richtig aufgedreht. Wenn etwa Sabrina Faber einen richtig tollen Solo-Auftritt mit dem traurigen „Das Wort 'Verlassen'“ hingelegt hat, stürmt Alexander J. Beck sofort darauf die Bühne, um mit „Mein Weib will mich verlassen“ einen herrlich komischen Kontrast zu setzen. Ohnehin gebührt den drei Beteiligten auf der Bühne ganz großes Lob. Schließlich sind die Texte von Kreisler mitunter sehr schwierig – etwa bei der zungenverknotenden „Telefonbuchpolka“, bei der Namen wie Vorrak, Vorlicek, Vosmik, Vorlik, Vrba, Vrtl oder Vozenilek in hohem Tempo aufgesagt werden müssen. Das haben Beck, Faber und Fischer mit Bravour gemeistert. Gekonnt haben sie sich die verbalen Bälle zugespielt und haben dabei perfekt ihre jeweiligen Stärken ausgenutzt.

Wie gut das funktioniert hat, wird etwa bei dem Lied „Der Witz“ deutlich, bei dem eben nicht nur Becks herrliche Versuche, den Witz, den ihm sein Freund Fritz erzählt hat, dem Publikum nachzuerzählen, für Lacher sorgen. Durch das, was Franz Fischer und Sabrina Faber angesichts des Unvermögens ihres Kollegen, einen simplen Witz zu erzählen, anstellen, macht die Nummer gleich nochmal so amüsant.

Eine perfekt aufeinander abgestimmte Auswahl an Liedern, drei tolle Künstler, sehr gute Arrangements und hintersinniger Humor machen „Immer wieder Tauben vergiften“ zu einem unbedingt empfehlenswerten Theaterabend. Alleine wenn Alexander J. Beck zum Ende hin zeigt, wie unglaublich lustig das Leiden eines Mannes „Auf dem Totenbett“ sein kann, macht den Besuch im Theater Alte Brücke einmal mehr lohnenswert! In dieser Spielzeit wird der Kreisler-Abend noch drei Mal aufgeführt, zwei Mal im Februar 2017 und einmal im April! Das ist doch eigentlich das perfekte Weihnachtsgeschenk für alle Freunde des gepflegten Galgenhumors. Die Tickets bekommt Ihr unter: http://theater-alte-bruecke.de/

Text von Sebastian Betzold

 

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