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Wenn Spannung nur durch Worte entsteht - Das Theater Alte Brücke zeigt "Jesus sprang vor die U-Bahn"

30.10.2017 | 08:27 Uhr | Kultur
Wenn Spannung nur durch Worte entsteht - Das Theater Alte Brücke zeigt 'Jesus sprang vor die U-Bahn'

Mit dem Stück „Der Drecksack mit dem Hut“ zeigte das Theater Alte Brücke vor zwei Jahren, dass Broadwaytheater am Main sehr gut funktionieren kann. Mit einem hervorragenden Gespür für Dialoge und Timing hat Alexander J. Beck, Gründer des TAB, das Stück des amerikanischen Dramaturgen Stephen Adly Guirgis ins Deutsche übertragen. Dabei ist es ihm perfekt gelungen, die Grundstimmung des Originals auf den Punkt beizubehalten. Gleichzeitig aber hat er das auf das amerikanische Publikum zugeschnittene Stück seinem Publikum zugänglich gemacht. Auch beim zweiten Guirgis-Werk in der vergangenen Spielzeit, „Schwester Rose“, hat das richtig gut funktioniert. Die Mischung aus subtilem Wortwitz und mitunter sehr schwerem Drama hat gefesselt, unterhalten und zum Nachdenken angeregt.

Mit Teil 3 der New-York-Anthologie von Stephen Adly Guirgis hat sich Alexander J. Beck jetzt an das das beste, aber auch an das herausforderndste Stück gewagt. „Jesus sprang vor die U-Bahn“ heißt das Werk, das am 03. November Premiere feiert. Herausfordernd deshalb, da hier knapp zwei Stunden lang nur geredet wird. Auf der Bühne passiert eigentlich nicht viel, es werden „nur“ in zum Teil beeindruckenden Tempo komplexe Dialoge und Monologe abgeliefert. Das muss doch langweilig sein, oder? Weit gefehlt! Alleine durch die hervorragend komponierten Sätze entstehen hier Spannung und Emotionen, die einen als Zuschauer von der ersten Sekunde an packen. Und Beck ist es wieder gelungen, diese so ins Deutsche zu übertragen, dass sie absolut authentisch und keineswegs gekünstelt wirken und so auch in der Übersetzung ihre ganze Kraft entfalten können. Unterstützt wird dieser Eindruck noch durch das einfache, aber effektive Bühnenbild und durch die Kostüme, bei denen es sich um authentische Uniformen bzw. Gefängniskleidung aus den USA handelt.  

Das Stück erzählt die Geschichte des dreißigjährigen Fahrradkuriers Angel Cruz, der versucht hatte, seinen besten Freund aus den Fängen einer Sekte zu befreien. In seiner Verzweiflung tat er das Einzige, was ihm möglich schien – er schoss dem Sektenführer Reverend Kim in den Allerwertesten. Nun sitzt Angel wegen versuchten Mordes im Knast. Seine engagierte Pflichtverteidigerin Mary Jane ist sicher, dass sie ihn frei bekommen kann, ohne dass er überhaupt in den Zeugenstand muss. Doch dann stirbt Reverend Kim auf den OP-Tisch und die Anklage wird in Mord ersten Grades geändert. In seiner Verzweiflung versucht der von anderen Häftlingen geschlagene und vergewaltigte Angel sich das Leben zu nehmen. Daraufhin kommt er in Einzelhaft, bewacht von dem brutalen und sadistischen Wärter Valdez. Nur für wenige Augenblicke am Tag hat Angel Kontakt zu seinem Mithäftling Lucius, der im Gefängnis zu Gott gefunden hat. Es ist ein Kontakt, der Angel Halt gibt und sein Leben im Knast fundamental verändert…

Es ist schon harte Kost, die einem hier serviert wird. Aber wie schon bei den vorangegangenen Stücken versteht es Guirgis perfekt, den schweren Inhalt durch seine Dialoge ein wenig aufzulockern und zugänglicher zu machen. Allerdings ist diese „Erleichterung“ symbolisch für die Figuren und ihr handeln: Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Und so ist auch die mitunter amüsante Leichtigkeit der Dialoge nur eine trügerische Entspannung, bevor die Zuschauer von der emotionalen Wucht der Geschichte wieder direkt in die Magengrube geboxt werden. Nach und nach offenbaren sich durch Monologe, in denen die Hintergründe der einzelnen Protagonisten erzählt werden, oder auch durch Zeitsprünge die vielen verschiedenen Ebenen der Figuren und der Handlung. Und bald merkt man, dass es hier um sehr viele essentielle Themen gibt, die schonungslos offen, aber trotzdem eben auch sehr unterhaltsam angesprochen werden.

Das Ensemble transportiert die hervorragenden Dialoge wirklich großartig auf die Bühne. Allesamt hinterlassen sie einen bleibenden Eindruck – ob Stefan Schmidt als Angel, Georg Metzler als scheinbar geläuteter Mörder Lucius, Jan Peter Nowak als Wärter, der keine Gelegenheit auslässt, um die Gefangenen zu demütigen, Sabrina Faber als von ihrer Arbeit desillusionierte Pflichtverteidigerin oder auch Regisseur Alexander J. Beck als etwas zu hilfsbereiter Gefängniswärter Charlie. Man hängt wirklich an den Lippen der Darsteller und merkt schnell: Manchmal reichen Worte aus, um extreme Spannung zu erzeugen.

Weitere Infos zu den Tickets und den Spielzeiten findet Ihr unter: www.theater-alte-bruecke.de

 

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