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Wo ist die Leiche von Schwester Rose?

12.10.2016 | 09:26 Uhr | Kultur
Wo ist die Leiche von Schwester Rose?

Gelungene Premiere im Theater Alte Brücke

Mit dem Stück „Der Drecksack mit dem Hut“ hat Alexander Beck in seinem Theater Alte Brücke im vergangenen Jahr eine New York-Anthologie mit Stücken von Stephen Adly Guirgis gestartet. Diese setzt er in der neuen Spielzeit mit dem am Broadway gefeierten „Schwester Rose“ fort. In dem Stück treffen sich nach dem Tod von Schwester Rosezwölf Menschen, deren Leben sie beeinflusst hat, um Abschied von der Toten zu nehmen. Doch ihr Leichnam ist verschwunden – und während die Polizei nach der toten Schwester Rose sucht, bleibt ihren ehemaligen „Kindern“ nur, sich mit ihren eigenen Leben auseinanderzusetzen. Und das ist nicht immer einfach…

„Schwester Rose“ ist keine leichte Kost – dafür aber umso empfehlenswertere. Das Stück ist ein weiterer Beweis dafür, dass durch das Theater Alte Brücke ein wenig frischer Wind durch die Frankfurter Kulturszene weht. Und das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Allerdings – und darauf muss man sich einlassen können – hat das Werk nicht nur einen hohen Unterhaltungswert, sondern auch einige sehr herausfordernde Momente. So trägt ein Charakter eine schreckliche Schuld mit sich herum, die auch für den Zuschauer nur schwer zu ertragen ist. Und wenn der gutmütige Pinky, großartig gespielt von Erik Barth, unter der lautstarken Zurechtweisung seines Bruders Edwin (Alexander J. Beck) in Tränen ausbricht, dann geht das auch dem Publikum sehr nahe. Und auch die Ausraster der aufgewühlten Norca (Aniko Nagy) haben eine große Emotionalität. Dem stehen allerdings auch einige auflockernde Momente gegenüber, so dass man nicht befürchten muss, von der Schwere der Geschichte erdrückt zu werden.

 

In zehn Szenen erlaubt diese einige kurze Einblicke in die mitunter völlig verkorksten Leben der Protagonisten geworfen. Nach und nach erfährt man durch ihre Gespräche mehr über ihre Vergangenheit und ihre Beziehungen zueinander. Es werden zahlreiche Konflikte aufgebaut, für die es zwar in Teilen eine Auf-, allerdings keine Erlösung gibt. Das Stück verlässt die Protagonisten beinahe ebenso abrupt, wie es sie dem Zuschauer vorgestellt hat. Auch dadurch ist „Schwester Rose“ nicht unbedingt ein Werk, das sich zur leichten Berieselung eignet, doch wird so auch eine gewisse Realitätsnähe aufgebaut.

Die einzelnen Szenen sind mal herrlich komisch, dann wieder berührend oder bedrückend intensiv. Konnte man eben noch herzhaft lachen, bleibt einem dies schon wenige Augenblicke im Halse stecken. Tiefgründiger Wortwitz und gnadenlos offene Worte, die einen mit voller Wucht in den Magen treffen, wechseln sich hier in schöner Regelmäßigkeit ab. Dass dies funktioniert, liegt nicht nur an dem wirklich guten Ensemble auf der Bühne, sondern natürlich auch an dem Buch. Alexander J. Beck hat „Schwester Rose“, wie schon zuvor den „Drecksack mit dem Hut“, selbst aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Dabei ist ihm das Kunststück gelungen, den durch und durch amerikanischen Charakter des Stücks beizubehalten und ihm gleichzeitig eine eigene, für das deutsche Publikum zugängliche Note zu verleihen. Dass ihm das gelungen ist, merkt man daran, dass die Sprache nicht artifiziell, sondern sehr authentisch wirkt – auch dann, wenn immer wieder ganz deutlich wird, dass dieses Stück in New York und nicht in Frankfurt spielt.

Mit „Schwester Rose“ bieten Alexander J. Beck und sein Team vom Theater Alte Brücke für hiesige Verhältnisse etwas andere Kost, durch die auch die Vielseitigkeit des in dem kleinen Theater angebotenen Programms offenbart wird. Und da auch das dritte und letzte Stück der New-York-Anthologie wieder ganz anders sein soll, darf man jetzt schon auf die nächste Stephen Adly Guirgis Adaption gespannt sein. (Text von Sebastian Betzold)  

Weitere Infos zum Stück und den Spielzeiten findet Ihr in unserem Veranstaltungskalender unter:

www.frankfurt-tipp.de/veranstaltungen/s/event/schwester-rose.html

 

 

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