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Historisches Museum erwirbt Objekte aus der Frankfurter Druckerdynastie Egenolff/Luther

23.01.2017 | 10:30 Uhr | Kultur
Historisches Museum erwirbt Objekte aus der Frankfurter Druckerdynastie Egenolff/Luther

(kus) Zum Reformationsjubiläum kann das Historische Museum Frankfurt mit einer bedeutenden Neuerwerbung aufwarten. Es handelt sich dabei um ein Konvolut mit Druck- und Handschriften, Gemälden und einem Holzkästchen mit Letternstempeln aus der Frankfurter Druckerdynastie Egenolff/Luther. Unter den 38 Druckschriften befindet sich auch eine Bibel, die der deutsch-amerikanische Drucker Christoph Sauer (1695 – 1758) in Germantown/Pennsylvania 1743 in einer Auflage von 1.200 Stück für die deutsche Auswanderergemeinde hergestellt hat. Es ist der erste Druck der Luther-Bibel in einer europäischen Sprache in Amerika. Nachdrucke wurden von seinem Sohn Johann 1763 und 1776 herausgegeben.

Die Bibel ist eine von zwölf Exemplaren, die per Schiff an Heinrich Ehrenfried Luther (1700 – 1770) in Frankfurt gesandt wurden. Luther hatte Sauer mit den für den Druck nötigen Lettern versorgt. Die Reise verlief abenteuerlich, das Schiff wurde gekapert und die Ladung zunächst verkauft, bevor Luther die Bibelsendung in Empfang nehmen konnte. Davon zeugt der nachträglich gedruckte und von Luther handschriftlich signierte Vorspann in lateinischer Sprache vor dem Haupttext der Bibel. Luther führte in Frankfurt die berühmte Schriftgießerei Egenolff. Handschriftlich trug Luther in sein Exemplar der Bibel die europäischen Orte ein, denen er einen Sauer‘schen Bibeldruck zukommen lassen wollte.

„Mit der Bibel, zahlreichen Broschüren, Zeitungen und Handschriften, darunter ein Briefwechsel zwischen Luther und Sauer, erhält das HMF erstmals die Möglichkeit, ein wichtiges Kapitel der Frankfurter Geschichte mit signifikanten Objekten zu veranschaulichen“, freut sich Museumsdirektor Jan Gerchow. „Christoph Sauer war der erste Drucker, der in Amerika in deutscher Sprache druckte, seine Biografie veranschaulicht wesentliche Aspekte von Migration und weltumspannenden Netzwerken - wie sie bis heute für Frankfurt und sein Verlagswesen prägend sind.“

Der Druck der ersten Bibel nach der deutschen Übersetzung von Martin Luther hatte in Amerika weitreichende Folgen. Sie war für die deutschen Gemeinden in Pennsylvania die Grundlage für die Auslegung ihres Glaubens, wegen der Beigabe von drei apokryphen Schriften aber nicht unumstritten. Mit ihrer Verbreitung und der Distribution in wichtige europäische Bibliotheken wirkte die Sauer-Bibel weltweit.

Im Historischen Museum Frankfurt erhält die neuerworbene Bibel daher auch einen Platz in der Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ im neuen Ausstellungshaus.

Historisch nicht weniger bedeutend sind die Stempel der Egenolff’schen Schriftgießerei, die im 17. Jahrhundert durch Jacob Sabon angefertigt wurden. Die Stempel der Cöllnisch Current-Fraktur befinden sich in einem Kästchen aus dem 16. Jahrhundert mit Aufschriften von Christian Egenolff, dem neben Sigmund Feyerabend bedeutendsten Frankfurter Drucker des Frankfurter Humanismus. Vergleichbare Druckstempel sind extrem selten und werden nur in Spezialsammlungen wie dem Gutenbergmuseum in Mainz oder dem Museum Plantin-Moretus in Antwerpen aufbewahrt.

Der Ankauf dieses in seiner Gesamtheit buch-, religions- sowie stadtgeschichtlich gleichermaßen herausragenden Konvoluts aus Familienbesitz war nur möglich, weil sich die Hessische Kulturstiftung (Wiesbaden), die Kulturstiftung der Länder (Berlin), die Max Ernst von Grunelius-Stiftung, die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung (beide Frankfurt) und der Club33 des Historischen Museums mit namhaften Beträgen beteiligten.

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