FRANKFURT VERÄNDERT SICH. DAS HÄUSJE BLEIBT.
Der Wasserhäusje-Tag hat am Samstag gezeigt, warum die kleinen Kioske weit mehr sind als Verkaufsstellen. Sie sind Treffpunkt, Erinnerung und ein Stück Frankfurter Identität.
Frankfurt verändert sich ständig. Neue Viertel entstehen, Straßenbilder wandeln sich, alte Orte verschwinden. Und dann gibt es die Wasserhäuschen.
Am Samstag, 12. September 2026, standen sie einen Tag lang besonders im Mittelpunkt. Rund 20 Wasserhäuschen in 14 Stadtteilen beteiligten sich am Wasserhäusje-Tag. Bei bestem Wetter zogen viele Frankfurterinnen und Frankfurter von Häusje zu Häusje, entdeckten neue Ecken der Stadt und kamen miteinander ins Gespräch.
Rund 80 Programmpunkte gab es über den Tag verteilt. Livemusik, DJ-Sets, Yoga, Zumba, Punk, Schlager, Hip-Hop und Electro gehörten ebenso dazu wie Kinderprogramm, Comedy, Fußballaktionen und kulinarische Angebote. Doch der eigentliche Reiz des Tages lag weniger im Programm als in den Geschichten, die vor den Wasserhäuschen erzählt wurden.
EIN STÜCK KINDHEIT
Viele Besucher erinnerten sich daran, wie sie früher mit ihren Eltern oder Großeltern zum Wasserhäuschen gegangen sind. An Süßigkeiten hinter der Scheibe, kalte Getränke und die berühmte gemischte Tüte. Immer wieder fiel auch der Begriff „Jösthäuschen“, unter dem viele Frankfurter die kleinen Kioske noch aus ihrer Kindheit kennen. Aus kurzen Gesprächen wurden Erinnerungen. Aus Erinnerungen wurden Geschichten über das eigene Viertel, die Familie und ein Frankfurt, das sich längst verändert hat. Genau darin liegt bis heute die besondere Bedeutung der Wasserhäuschen. Sie sind keine Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne. Sie gehören zum Alltag der Stadt. Für viele Menschen sind sie mit ihrer eigenen Biografie verbunden.
JEDES HÄUSJE IST ANDERS
Auch beim Aktionstag zeigte sich: Wasserhäuschen ist nicht gleich Wasserhäuschen. Jedes hatte sein eigenes Programm, sein eigenes Publikum und seinen eigenen Charakter. Das passte zur Stadt. Statt eines einheitlich durchinszenierten Festivals entstand ein vielfältiges Bild der Frankfurter Viertel. Unterstützt wurden die Betreiberinnen und Betreiber von der Stabsstelle Stadtmarketing sowie von den Wasserhäuschen-Botschaftern Boris Borm und Hubert Gloss, die sich seit vielen Jahren für die Frankfurter Wasserhäuschen-Kultur engagieren. Oberbürgermeister Mike Josef bezeichnete die Wasserhäuschen als wichtigen Teil der Frankfurter Stadtgeschichte und kündigte an, den Wasserhäusje-Tag künftig alle zwei Jahre stattfinden lassen zu wollen.
VOLLE PLÄTZE BIS IN DEN ABEND
Vor vielen Häuschen bildeten sich lange Schlangen, einige Produkte waren früh ausverkauft. Vielerorts wurde bis in den Abend gefeiert. Manche Besucher nutzten sogar das Wasserhäuschenquartett, um spontan die nächste Station auszuwählen. Der Wasserhäusje-Tag hat damit vor allem gezeigt, dass diese kleinen Orte alles andere als ein nostalgisches Relikt sind. Sie funktionieren noch immer genau so, wie sie es seit Jahrzehnten tun: als Treffpunkt, als Ort für kurze Gespräche und als fester Bestandteil des Viertels.
Frankfurt verändert sich. Das Häusje bleibt.












